Wasserwerfereinsatz bei Umweltprotesten in Chile am Weltwassertag

Tausende demonstrieren in 15 Städten Chiles gegen die Umweltpolitik der neuen Regierung unter Präsident Kast. Was als friedlicher Familienausflug begann, endete in Santiago im Tränengas

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Der Demonstrationszug stoppt vor einer Polizeikette vor dem Präsidentenpalast, später kam es zu Polizeigewalt
Der Demonstrationszug stoppt vor einer Polizeikette vor dem Präsidentenpalast, später kam es zu Polizeigewalt

Santiago. Die erste größere Kundgebung nach dem Regierungswechsel in Chile hat am Sonntag mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas geendet. Unter dem Motto "Nein zum Rückschritt im Umweltschutz" gingen am Weltwassertag rund 30.000 Demonstrierende in insgesamt 15 Städten auf die Straße. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen geplante Gesetzesänderungen der neuen ultrarechten Regierung unter Präsident José Antonio Kast. Organisiert von großen Umweltschutzorganisationen, verlief die Demonstration in der Hauptstadt Santiago friedlich. Gegen Ende der Mobilisierung kam es vor dem Präsidentenpalast überraschend zum Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken.

Friedliche Demonstration für die Umwelt

Friedliche Demonstration für die Umweltrechte in Santiago.
Friedliche Demonstration für die Umweltrechte in Santiago.

Laut, bunt, kunstvoll und lebendig strömte die Menge durch die Hauptstadt. Der Umzug wirkte wie ein Familienausflug: Viele Kinder nahmen auf den Schultern ihrer Eltern am Umzug teil, bunte Kostüme und ein langsamer, nahezu gemütlicher Zug schob sich der Alameda entlang. Diszipliniert auf nur einer Straßenseite wurde getrommelt, gesungen, gesprungen und Fahnen geschwenkt. Pinguine in allen Größen und Formen ragten aus dem Zug – es geht nicht zuletzt um ihre gefährdeten Lebensräume.

"Das Wasser verteidigen ist die Würde verteidigen!"

"Das Wasser zurückzugewinnen, heißt die Würde zurückzugewinnen"
"Das Wasser zurückzugewinnen, heißt die Würde zurückzugewinnen"

Der Protest richtete sich vor allem gegen die geplanten Liberalisierungen in der Umweltgesetzgebung durch die neue Regierung, die seit dem 11. März im Amt ist. In Chile, das Augusto Pinochet eine Vorreiterrolle in der Einführung des neoliberalen Wirtschaftssystems in Lateinamerika einnahm, war die Wasserprivatisierung Teil des ökonomischen Modells. Das führte zu erheblichen ökologischen Konsequenzen. Das Wasser im Privatbesitz der Agrarindustrie wird für die industrielle, exportorientierte Produktion verbraucht – etwa für Avocados, das "grüne Gold" Chiles. So entstanden sogenannte Opferzonen (span. zonas de sacrificio), das sind stark verseuchte Gebiete, in denen eine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Produktion das Überleben für Mensch und Natur beinahe verunmöglicht.

Cristóbal Rodríguez, Sprecher der Bewegung für den Zugang zu Wasser und Land sowie für den Umweltschutz (Modatima), erklärte vor dem Regierungsgebäude: "Unabhängige Untersuchungen zeigen, dass unser Land in Lateinamerika am stärksten dem Klimawandel und der Wasserknappheit ausgesetzt ist. [...] Wir müssen das Wasser jetzt verteidigen."

Vor diesem Hintergrund hatte die chilenische Regierung unter dem gemäßigt linken Präsidenten Gabriel Boric nicht zuletzt die Wasserrechte ins Visier genommen. Die Reform des Wassergesetzes von 2022 ermöglichte es dem Staat, Wasser prioritär zur Versorgung der Bevölkerung zu beanspruchen.

Kast griff diese Änderungen bereits vor seinem Regierungsantritt scharf an. "Tschüss Umweltrichtlinien, tschüss Ideologie", gehört zu seinen bekanntesten Sätzen. Der rechte Politiker kritisiert eine aus seiner Sicht aufwändige Bürokratie, während Jurist:innen wie Ximena Insunza betonen, dass genau das Gegenteil in der Praxis der Fall sei. Gerade landesweit einheitliche Richtlinien über die Wasserrechte würden Rechtssicherheit bieten.

Tränengas und Wasserwerfer

Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstration am Weltwassertag in Chile
Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstration am Weltwassertag in Chile
 

Vor dem Regierungsgebäude "Palacio de La Moneda" stand zum Schluss der Mobilisierung eine Reihe behelmter Polizeibeamt:innen, ein Wasserwerfer und ein Polizeibus den tanzenden Aktivist:innen gegenüber. Zuerst blieb alles ruhig. Nach anderthalb Stunden begann sich die Menge aufzulösen; manche hatten sich schon auf einer Wiese niedergelassen und aßen ihre Sandwiches.

Plötzlich wurde es laut. Die Polizei jagte mehrere Personen, Wasserwerfer und Tränengas kamen zum Einsatz. Ein großer Teil der Menge zog sich zurück, doch die Wasserwerfer fuhren gezielt auch auf die Menschen zu, die bereits den Rückzug angetreten hatten. Bei der Repression gegen die Demonstrant:innen wurden insgesamt sieben Personen verhaftet.