Berlin/Havanna. Die Energiekrise in Kuba spitzt sich immer weiter zu. Auslöser der Krise ist die Ölblockade durch die US-Regierung. Präsident Donald Trump hat die Karibikinsel Ende Januar zu einer "außerordentlichen Bedrohung" für die USA erklärt und droht jedem Land mit Sanktionen, das Erdöl oder dessen Derivate an Kuba liefert. Zwischenzeitlich hat zwar ein Öltanker aus Russland trotz Blockade die Insel erreicht, dies bringt aber nur eine kurzfrtistige Entspannung der Lage.
Zivilgesellschaftliche Organisationen auf der ganzen Welt rufen daher zur Unterstützung des sozialistischen Landes auf. Ein Projekt in Deutschland ist die Kampagne "Licht und Energie für Kubas Krankenhäuser", die Spenden für Solarpanels sammelt.
Daran beteiligt sind unter anderem Bloque Latinoamericano und Interbrigadas. Zwei Mitglieder der Gruppen, Tuk Wünsche und Malena, haben mit amerika21 über die Entwicklungen in Kuba und die Spendenkampagne gesprochen.
amerika21: Wie ist die Situation in Kuba im Moment?
Tuk: Äußerst angespannt. Der Treibstoffmangel führt dazu, dass zentrale Bereiche des öffentlichen Lebens nur noch eingeschränkt funktionieren oder zeitweise ganz ausfallen. Teilweise kommt es zu Blackouts, die die Lage zusätzlich verschärfen.
Malena: Unsere Projektpartner:innen in Pinar del Río im Westen Kubas berichten von Stromausfällen von bis zu 48 Stunden oder nur zwei Stunden Strom pro Tag. Das ist kein Ausnahmezustand mehr, sondern Teil des Alltags geworden. Diese Energieknappheit wirkt sich unmittelbar auf alle Bereiche des Zusammenlebens aus: Lebensmittel verderben ohne Kühlung, die Hygiene leidet, Müll wird nicht regelmäßig entsorgt, Krankheiten nehmen zu. Es entsteht eine Kettenreaktion, in der ein Mangel den nächsten verstärkt.
amerika21: Welche Unterstützung bieten Solarpanels in dieser Situation?
Malena: Energie ist nicht nur ein Sektor unter vielen, sondern die Grundlage für das Funktionieren der gesamten Gesellschaft. Besonders sichtbar wird das im Gesundheitssystem. Krankenhäuser sind direkt von Stromausfällen betroffen, der Diesel für die Notstromaggregate wird knapp. Viele Patient:innen warten auf Operationen, darunter Kinder. Schwangere Frauen können nicht einmal die minimal empfohlenen Ultraschalluntersuchungen erhalten. Solarpanels können also direkt dabei helfen, das Leben vieler Kubaner:innen zu retten.
Tuk: Gleichzeitig haben Solarpanels und mit ihnen die energetische Transition eine strategische Dimension. Sie ermöglichen Kuba ein Stück weit Energieunabhängigkeit. Damit wird das Land weniger erpressbar durch die USA, die über die Blockade gezielt den Zugang zu Treibstoff und Energie kontrollieren. Es geht also sowohl um akute Hilfe als auch um eine längerfristige Perspektive der Souveränität und Selbstbestimmung der kubanischen Bevölkerung.
amerika21: Wie werden die Solarpanels nach Kuba gebracht?
Tuk: Aktuell werden sie über Mexiko nach Kuba verschifft. Grundsätzlich ist jede Lieferung mit politischen und logistischen Schwierigkeiten verbunden, da die US-Politik darauf abzielt, solche Unterstützungsmaßnahmen zu behindern oder zu verhindern.
amerika21: Welches Ziel verfolgt die US-Regierung mit der Blockade?
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Malena: Kuba ist in hohem Maße abhängig von importiertem Öl, vor allem für die Stromproduktion. Genau hier setzt der äußere Druck an. Lieferketten werden unterbrochen, Tanker abgeschreckt, Zahlungswege blockiert.
Tuk: Das ausgesprochene Ziel der US-Regierung ist es, eine humanitäre Krise auszulösen und Leid und Verzweiflung in der Bevölkerung zu säen, um die kubanische Regierung zu stürzen.
Malena: Parallel dazu gibt es eine starke mediale Kampagne aus dem Exil, die offen nach Intervention ruft und internationale Solidaritätsarbeit versucht zu delegitimieren. Die gesellschaftliche Stimmung ist entsprechend angespannt. Viele Menschen sind erschöpft und enttäuscht.
amerika21: In welchem Kontext findet die US-amerikanische Kuba-Politik statt?
Malena: Trump bezieht sich immer wieder auf die Monroe-Doktrin, also die Vorstellung, dass Lateinamerika die Einflusszone der USA ist. Alternative politische Projekte sollen dort keinen Raum haben. Aktuell versuchen die USA einen rechten Block in der Region zu stärken. Ein Beispiel dafür ist das Format "Shield of the Americas", das darauf abzielt, politische Linien gegen progressive Regierungen zu koordinieren. Länder, die weiterhin mit Kuba zusammenarbeiten, etwa Mexiko, werden gezielt unter Druck gesetzt. Die USA sind damit relativ erfolgreich, Ecuador und Costa Rica haben vor wenigen Wochen ihre diplomatischen Beziehungen mit Kuba gekappt. Falls die USA es schaffen, Kuba zu Fall zu bringen, wäre das ein Signal, dass ein alternatives gesellschaftliches Modell keinen Bestand haben kann.
Tuk: Wichtig ist auch der globale Machtkampf mit China. Die USA befinden sich in einem relativen Abstieg als Welthegemoniemacht und versuchen, ihre Stellung und ihren Zugang zu Ressourcen und billigen Arbeitskräften zu sichern und China zu schwächen. Durch die Eingriffe in den globalen Energiemarkt und Angriffe auf Partner Chinas wie Venezuela oder auch den Iran versuchen die USA unter anderem, die Produktionskosten für China zu erhöhen und den Ölhandel weiter an den US-Dollar zu binden.
amerika21: Wie wird sich die Situation in Kuba voraussichtlich weiterentwickeln?
Tuk: Es ist davon auszugehen, dass die USA weiterhin versuchen werden, ihre Kontrolle über Lateinamerika auszubauen. Wie aggressiv dieses Vorgehen sein wird, hängt wesentlich davon ab, wie stark die USA in anderen globalen Konflikten gebunden sind – etwa in Westasien.
Malena: Innenpolitisch besteht die reale Gefahr sozialer Zuspitzung. Wenn die Krise anhält, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sich Unzufriedenheit und Verzweiflung stärker entladen. Bisher sehen wir eher vereinzelte Proteste, aber diese können sich ausweiten, wenn die Lebensbedingungen sich weiter verschlechtern.
amerika21: Welche Möglichkeiten gibt es den Kubaner:innen zu helfen?
Tuk: Neben humanitärer Hilfe braucht es vor allem politischen Druck. Wir müssen unsere Regierungen unter Druck setzen, damit sie sich gegen die Blockade positionieren und aktiv Hilfe gegen die drohende humanitäre Krise in Kuba leisten. Entscheidend ist außerdem, dass wir unsere Kämpfe verbinden. Viele Menschen weltweit lehnen die aktuelle Politik der USA ab, die direkt mit der Militarisierung und den sozialen Kürzungen hierzulande verbunden ist. Es gibt viel Potenzial für eine breite Bewegung dagegen. Woran es oft fehlt, ist Einheit und das Vertrauen in die eigene Handlungsmacht. Genau daran müssen wir arbeiten – Schritt für Schritt.
Malena: Man kann sich schon jetzt beteiligen, etwa durch die Mitwirkung bei Veranstaltungen und Demos vom Netzwerk Kuba und dem Bündnis "Hände weg von Lateinamerika". Als Interbrigadas bereiten wir aktuell eine Brigade für Oktober vor. Wir werden beim Transport und der Montage von Solaranlagen mithelfen. Damit wollen wir bestehende Initiativen in Kuba stärken, uns mit ihnen besser vernetzen und vor allem anpacken!

