Havanna/Vatikan. In der vergangenen Woche hat eine internationale ökumenische Delegation von hochrangigen Vertretern nationaler und internationaler Kirchen Kuba besucht. Während des viertägigen Solidaritäts- und Seelsorgebesuchs in Kuba trafen die Delegationsmitglieder den Kubanischen Kirchenrat, Regierungsbeamte und lokale Gemeinschaften. In der abschließenden Erklärung heißt es, dass sich die zahlreichen Gespräche auf die aktuelle humanitäre Lage, die Rolle der Kirchen bei der Unterstützung gefährdeter Gemeinschaften und die Notwendigkeit einer Politik, die der Menschenwürde Priorität einräumt, konzentrierten.
Wörtlich heißt es dort: "Während des gesamten Besuchs wurden die Delegationsmitglieder Zeugen und hörten schmerzliche Zeugnisse des Leidens der kubanischen Bevölkerung in dieser Situation." Die Delegation bekundete ihre Unterstützung und ihr Mitgefühl, insbesondere angesichts der schwerwiegenden humanitären und menschenrechtlichen Folgen des seit über sechseinhalb Jahrzehnten bestehenden einseitigen Wirtschaftsembargos der USA gegen Kuba.
Aufgrund der zahlreichen Eindrücke wird in der Erklärung betont, dass die Delegation die Solidarität der weltweiten ökumenischen Gemeinschaft mit den Kirchen und der Bevölkerung Kubas zum Ausdruck bringen wolle.
Die Delegation besuchte das Nationale Institut für Onkologie in Havanna und nahm an ökumenischen Treffen, einem ökumenischen Gottesdienst und Palmsonntagsgottesdiensten in der ganzen Stadt teil. Auch der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel Bermúdez empfing sie.
Zusätzlich zu den wirtschaftlichen und humanitären Herausforderungen lebe die kubanische Bevölkerung unter der Bedrohung möglicher US-Militäraktionen, heißt es in der Erklärung. Darin wurde auch der Wunsch sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, die Probleme durch Dialog, friedliche und diplomatische Mittel statt durch militärische Konfrontation zu lösen. Laut der Erklärung waren die Delegationsmitglieder tief beeindruckt von der Widerstandsfähigkeit, dem Mut und der Hoffnung der Menschen trotz dieser schwierigen Zeiten.
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Nach dem Besuchsprogramm wurden Gespräche mit dem Kubanischen Kirchenrat aufgenommen, um die Möglichkeit der Einberufung eines internationalen ökumenischen Forums zu erörtern. In der Abschlusserklärung heißt es: "Wir wollen die Solidarität der Kirchen weltweit mit den kubanischen Kirchen und dem kubanischen Volk stärken und international auf die Grausamkeit und Ungerechtigkeit der willkürlichen Kollektivbestrafung aufmerksam machen."
Abschließend appellierten die Delegationsmitglieder an die US-Regierung, den Weg des friedlichen Dialogs dem Drohen mit militärischen Maßnahmen vorzuziehen: "Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden" (Matthäus 5,9).
Bereits im Februar hatte Papst Leo XIV. die USA und Kuba zum Dialog aufgefordert, nachdem US-Präsident Donald Trump eine totale Ölblockade befohlen und Kuba mit Vernichtung gedroht hatte. Der Papst sagte: "Ich schließe mich der Botschaft der kubanischen Bischöfe an und fordere alle Verantwortlichen auf, einen aufrichtigen und wirksamen Dialog zu fördern, um Gewalt und alle Handlungen zu vermeiden, die das Leid des kubanischen Volkes noch verstärken könnten."
Im Laufe der letzten Wochen wurde der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla vom Papst zu einer Privataudienz empfangen. Auch der US-Gesandte auf Kuba, Mike Hammer, führte im Vatikan Gespräche. Zuvor empfing Leo XIV. auch den kubanischen Bischof Silvano Pedroso Montalvo von Guantánamo-Baracoa. In Kuba sprachen wiederum der Erzbischof von Havanna, Kardinal Juan de la Caridad García, und Bischof Arturo González aus der Diözese Santa Clara mit ranghohen Diplomaten aus den USA. Der Vatikan hatte sich bereits bei der Annäherung zwischen den USA und Kuba während der Obama-Regierung aktiv eingebracht.

