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Archäologische Funde in Brasilien helfen beim Schutz des Amazonas

Im Bundesstaat Amapá legen Archäolog:innen Keramik und Artefakte frei. Einige Stücke sind mehrere Tausend Jahre alt

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Das "Stonehenge des Amazonas" in Calçoene, Amapá
Das "Stonehenge des Amazonas" in Calçoene, Amapá

Santana. Forscher:innen haben während der Bauarbeiten für eine Autobahn im Bundesstaat Amapá, im Norden Brasiliens, eine Vielzahl archäologisch relevanter Relikte aus vorkolonialer Zeit entdeckt. An neun verschiedenen Ausgrabungsstellen wurden dabei Tongefäße und kleinere Artefakte, die menschliche Gesichter abbilden, freigelegt.

Immer wieder tauchen bei der Erschließung und Abholzung von Amazonasgebieten Überreste von vorkolonialen Gesellschaften auf. Daher ist es in Brasilien mittlerweile üblich, vor großen Bauprojekten archäologische Untersuchungen in Auftrag zu geben. Kommt es zu relevanten Entdeckungen, übernehmen ausgebildete Archäolog:innen den weiteren Prozess zur Sicherstellung der Funde. In diesem Fall gibt die verantwortliche Gemeinde an "die Durchführung der Bauarbeiten mit dem Erhalt der Geschichte und der kulturellen Identität der betroffenen Regionen in Einklang" zu bringen.

Die Verantwortung für die Ausgrabungen ging an ein Team der Nationalen Abteilung für Transportinfrastruktur. Vorsichtig legten sie eine Bodenschicht nach der anderen und damit Überreste aus mehreren Epochen frei. "Bei tiefergehenden Ausgrabungen entdeckten wir Töpferwaren und Keramik, die mit einer früheren indigenen Präsenz in Verbindung stehen und den Übergang des Fundortes vor und nach der Ankunft der Kolonisatoren markieren", so Manoel Fabiano da Silva Santos, einer der Archäologen des Teams.

Auf diese Weise konnten schon mehrere tausend Fundstücke an anderen Orten im Bundesstaat Amapá der Forschung zugänglich gemacht werden. Die ältesten sind bis zu 6.000 Jahre alt und belegen damit eine menschliche Präsenz im Bundesstaat, die weit über die der ersten europäischen Siedlungen hinausgeht.

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Besondere Aufmerksamkeit erfuhr 2005 die Entdeckung eines etwa 1.000 Jahre alten Steinmonumentes in der Gemeinde Calçoene. 127 Steinstrukturen sind dort auf eine Weise angeordnet, die während der Wintersonnenwende den exakten Punkt des Sonnenaufgangs fixiert. Die Steine sind kreisförmig platziert und erinnern an das englische Stonehenge, weswegen das Monument auch den Titel "Stonehenge des Amazonas" trägt.

Entdeckungen dieser Art stellen die in Brasilien gängigen Erzählungen eines in vorkolonialer Zeit weitgehend unbesiedelten und generell menschenfeindlichen Amazonas, die Abholzung und wirtschaftliche Nutzbarmachung legitimieren sollen, infrage. Tatsächlich geht die aktuelle Forschung davon aus, dass zur Zeit der Ankunft der ersten Europäer in Südamerika etwa acht bis zehn Millionen Menschen im Amazonasgebiet lebten. Die Gemeinschaften waren dabei miteinander vernetzt, verfügten über ausgeklügelte Infrastruktur und Bewässerungssysteme, lebten in großen Siedlungen und prägten das Ökosystem auf eine Art und Weise, die bis heute nachwirkt. Dort kultivierten sie zum ersten Mal Agrarprodukte, die heute essenzieller Bestandteil von Kultur und Küche auf fast allen Kontinenten sind, wie etwa Kakao und Maniok. Wie weitläufig die Vernetzungen waren, beweisen die jüngsten Fundstücke aus Amapá; Stil und Fertigungstechniken weisen auf einen kulturellen Austausch hin, der sich bis zur Karibik erstreckte.

Die Forschungen und Ausgrabungen erfüllen jedoch nicht nur einen historischen Zweck. Archäologische Stätten sind vom brasilianischen Gesetz geschützt und fallen unter die Aufsicht öffentlicher Autoritäten. Mit der Erschließung neuer Orte von archäologischer Relevanz können also auch weite Teile des Amazonas vor Abholzung bewahrt werden. Forschungsprojekte dieser Art sind demnach politisch und dienen nicht nur einer Aufarbeitung der brasilianischen Kolonialgeschichte, sondern auch dem Schutz eines der wichtigsten Ökosysteme der Welt.