Chilpancingo de los Bravo. Seit dem vergangenen Mittwoch überrollt eine erneute Welle der Gewalt die indigenen Gemeinden des CIPOG-EZ (Indigener und Volksrat von Guerrero Emiliano Zapata) im mexikanischen Bundesstaat Guerrero. Betroffen sind vor allem Tula, Xicotlán, Acahehuetlán und Alconzacán. In Tula wurden vier Mitglieder des CIPOG-EZ ermordet. Am Freitag wurde eine Frau aus Xicotlán durch den Beschuss verletzt.
Am Samstag konnte die paramilitärische, kriminelle Gruppe "Los Ardillos" nahe eines Militärstützpunktes der mexikanischen Armee weiter vorrücken und erneut auch Drohnen zum Beschuss der nahegelegenen Gemeinde einsetzen, ohne dass die Streitkräfte eingriffen. Bis zu 800 Personen wurden vertrieben und harren in anderen Gemeinden der Organisation aus, während die bewaffneten Angriffe auf die indigene Autonomie auch am Sonntag und Montag andauerten. Am Montagmorgen erklärte der Nationale Indigene Kongress (CNI) in einem Communiqué: "Während Präsidentin Sheinbaum in ihrer morgendlichen Pressekonferenz erklärt, sie arbeite daran, `die Bevölkerung zu schützen´, haben `Los Ardillos´ in den letzten fünf Minuten weitere Bomben mit Drohnen auf die Gemeinde Alcozacán abgeworfen, in der vertriebene Familien untergebracht sind. Die Armee ist immer noch nicht eingetroffen […]"
Der CIPOG-EZ erklärte: "Die Opfer dieser feigen Angriffe sind Zivilist:innen: Männer und Frauen, Jungen und Mädchen sowie ältere Menschen. […] Diese Vorfälle reihen sich ein in die lange Liste der Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Ende Januar wurde nach Vertreibungen in der Gemeinde Juan R. Escudero auch eine Karawane der Organisation beschossen (amerika21 berichtete). Seit 2015 wurden 76 Mitglieder des CIPOG-EZ ermordet, 25 weitere gelten als gewaltsam verschwunden.
Die Wut des Indigenen Rates richtet sich auch gegen die Regierung von Guerrero und die Bundesregierung, die die Angriffe nach ihrer Darstellung tatenlos geschehen ließen, was insbesondere durch das Nicht-Eingreifen der nahe der Konfliktzone stationierten Militärs offensichtlich geworden sei:
"Während die Bundesregierung aus der Stadt heraus von einer angeblichen 'Transformation' und den Rechten der Frauen und der indigenen Gemeinschaften spricht, ist dies die Realität, die wir als indigene Bevölkerung Mexikos erleben. Während sie sich auf die Weltmeisterschaft vorbereiten, leben wir Völker zwischen Kugeln und Bomben. Es ist klar: Die Vierte Transformation steht, genau wie die PRI, die PAN, die PRD und alle anderen Parteien, auf der Seite der Kriminellen, der Unternehmen und der Ausbeutung. Das kapitalistische System drängt weiterhin seine narco-paramilitärischen Gruppen in unsere Gebiete, um das soziale Gefüge unserer Pueblos zu zerreißen und uns seiner Barbarei zu unterwerfen."
In Mexiko Stadt beginnt in genau einem Monat die FIFA-Fußball-WM der Herren– währenddessen gingen die Massaker an der indigenen Bevölkerung des Landes ungehindert weiter, bemängelt der CIPOG-EZ. Der Nationale Indigene Kongress rief zu einer "globalen Solidaritätsaktionen" für die betroffenen Gemeinden auf, eine Solidaritätserklärung ist neben mexikanischen Organisationen auch von Kollektiven aus dem Baskenland, Finnland, Spanien, Schweiz, Griechenland, Frankreich, Belgien und Deutschland unterzeichnet worden.
Am 15. und 19. Mai finden zudem in Leipzig Informations- und Solidaritätsveranstaltungen für den CIPOG-EZ statt.


