Chilpancingo de los Bravo. Am 30. Januar 2026 hat die paramilitärisch-kriminelle Gruppe Los Ardillos eine Karawane des Indigenen und Populären Rates von Guerrero – Emiliano Zapata (CIPOG-EZ) über mehrere Stunden beschossen. Nachdem zuletzt im November 2025 drei Mitglieder der Gemeindepolizei des CIPOG-EZ bei einem Schusswechsel mit Paramilitärs ermordet wurden, schloss sich der CIPOG-EZ mit den Selbstschutzorganisationen der Regionalen Koordinierungsstelle der Gemeindebehörden der Gründervölker (CRAC-PC) und der Union der Völker und Organisationen des Bundesstaates Guerrero (UPOEG) zusammen.
In einem Kommuniqué unmittelbar nach dem jüngsten Angriff erklärte die CIPOG-EZ: "In den letzten Jahren haben die Ardillos Hunderte von Dörfern und Gemeinden vertrieben, und dieses Phänomen hält bis heute an, ohne dass es eine staatliche Behörde oder Körperschaft gibt, die ihnen Einhalt gebietet. Aus diesem Grund haben wir als Völker im Widerstand gesagt: Es reicht! Am 22. Januar haben wir uns zusammengetan und beschlossen, gemeinsam mit anderen Organisationen zu kämpfen und die Gebiete zurückzugewinnen, die die Ardillos besetzt haben. Haben wir das Recht, die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen, wenn der Staat uns als einzigen Ausweg den Tod anbietet".
Die gemeinsame Karawane befand sich auf dem Weg in die Gemeinde El Terrero, als schwerbewaffnete Mitglieder der Ardillos das Feuer eröffneten. Die Karawane wollte Forderungen von Vertriebenen und Angehörigen der Opfer anhören. Als sie in der Gemeinde La Estrella ankamen, wurden sie laut dem Kommuniqué mit hochkalibrigen Waffen angegriffen. Es gelang der Gemeindepolizei, den Angriff abzuwehren und weiterzukommen. Daraufhin wurden sie in Rancho Viejo erneut aus dem Hinterhalt angegriffen und mit Drohnen und hochkalibrigen Waffen beschossen.
Die Delegation wurde von mehreren Menschenrechtsbeobachter:innen begleitet. Doch trotz vorheriger Warnungen über mögliche Angriffe seien keine staatlichen Sicherheitskräfte zur Hilfe gekommen. Stattdessen verweist der CIPOG-EZ auf die politischen Verbindungen der Ardillos zu staatlichen Sicherheitskräften.
Auch der Nationale Kongress der Indigenen (CNI) betont in einem Statement die Verantwortung der mexikanischen Regierungsebenen: "Einmal mehr zeigt sich die Komplizenschaft der Ardillos mit der Regierung des Bundesstaates Guerrero sowie die Untätigkeit der Bundesregierung, diese kriminelle Gruppe und alle anderen kriminellen Gruppen, die in diesem Bundesstaat operieren, zu zerschlagen. Wir machen die Vorsitzende der Bundesregierung, Claudia Sheinbaum Pardo, die Gouverneurin des Bundesstaates Guerrero, Evelyn Salgado Pineda, und das Innenministerium, das für den Mechanismus zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger:innen und Journalist:innen zuständig ist, für die große Gefahr verantwortlich."
Der CNI konstatiert: "Der mexikanische Staat verurteilt die Völker, die dem CIPOG-EZ angehören, sowie ihren Förderer Jesus Plácido Galindo zum Tod. Mexiko ist ein Land im Krieg, durchzogen von militärischer und paramilitärischer Gewalt, die in allen Regionen des Landes und insbesondere in unseren Dörfern immer weiter zunimmt."
Guerrero ist ein reicher Bundesstaat. Im Süden Mexikos weist er zwischen Küsten-, Berg und Wüstenregionen eine hohe Biodiversität auf. Hier leben viele indigene Bevölkerungsgruppen. Sie machen im Bundesstaat mit seinen 3,5 Millionen Menschen mindestens 17 Prozent aus. Probleme sind Rodung der großen Wälder, Extraktivismus, Monokulturen und Massentierhaltung sowie industrielle Fischerei. Ebendiese Sektoren werden auch vom organisierten Verbrechen kontrolliert, neben dem Drogen- und Menschenhandel vor allem auch im Kontext des Tourismus in Acapulco.
1992 gründeten die Völker der Na Savi, Me'pháá, Nahua und Ñamnkué den Rat 500 Jahre Widerstand von Guerrero, der sich für das Recht der Indigenen auf Autonomie und Selbstbestimmung einsetzte. Dessen Einfluss wuchs durch das Auftreten der zapatistischen Befreiungsarmee (EZLN) 1994 und des Nationalen Kongresses der Indigenen (CNI) an. Wie in anderen Teilen des Landes begegnete man dieser Organisierung mit Angriffen auch durch paramilitärische Gruppen des organisierten Verbrechens. Sehr früh kam es in Guerrero entsprechend zum Aufbau lokaler Gemeindepolizei, welche die selbstverwalteten Gemeinden gegen die Angriffe der Paramilitärs verteidigen.
Als starker Ausdruck dieses indigenen Widerstands, der noch heute mit der EZLN und dem CNI verbunden ist, gründete sich auch der CIPOG-EZ. Von Beginn an wurde ihrer autonomen Organisierung mit Gewalt begegnet. Seit 2015 vermeldet der CIPOG-EZ über 70 Morde an seinen Mitgliedern, über 25 gelten als verschwunden und mindestens ein Mitglied sitzt im Gefängnis. Ganze Familien wurden durch Paramilitärs umgebracht, darunter viele Jugendliche.
Auch aus Deutschland haben viele Organisationen den Solidaritätsbrief unterzeichnet.



