Quito. Die ecuadorianische Regierung betont derzeit die Verbesserung ökonomischer Indikatoren und spricht von einer Stabilisierung der nationalen Wirtschaft. Viele Ecuadorianer:innen beklagen jedoch steigende Lebenshaltungskosten und eine ausbleibende Verbesserung ihres Lebensstandards.
Nach offiziellen Angaben ist das Länderrisiko Ecuadors gesunken, die internationalen Reserven sind gestiegen und das Vertrauen der Finanzmärkte in das Land ist gewachsen. Auf der Wirtschaftskonferenz der US-amerikanischen Handelskammern in Lateinamerika und der Karibik "Business Future of the Americas" (BFA) in Quito verkündete Ecuadors Präsident Daniel Noboa vergangene Woche: "Heute können wir sehen, wie Ecuador, wie die Unternehmer Ecuadors und wie die USA ein Land betrachten, das gegen alle Widerstände wächst, gegen alle Widerstände wächst, vorankommt."
Diese wirtschaftliche Entwicklung wird auch von großen Medien aufgegriffen, die auf positive Wachstumsprognosen, steigende Exporte und eine verbesserte Bewertung Ecuadors durch internationale Investoren verweisen. Kritische Stimmen bezweifeln jedoch, dass sich diese Entwicklung im Alltag der Mehrheit der Bevölkerung widerspiegelt. Nach Daten des Nationalen Instituts für Statistik und Volkszählungen (Inec) stieg das reale Haushaltseinkommen in den vergangenen zehn Jahren lediglich um 0,1 Prozent, während die Konsumausgaben der Haushalte um fast zehn Prozent zurückgingen.
Gleichzeitig zeigen offizielle Daten, dass die Kinderarbeit in Ecuador im letzten Jahrzehnt deutlich zugenommen hat. Aufgrund wachsender Armut und fehlender Schutzmaßnahmen gehen inzwischen über sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von fünf bis 14 Jahren einer häufig ausbeuterischen Arbeit nach. Ihre Grundrechte werden dadurch massiv verletzt.
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Ökonom:innen weisen darauf hin, dass Indikatoren wie das Länderrisiko in erster Linie die Einschätzung internationaler Finanzmärkte zur Zahlungsfähigkeit eines Staates messen. Über Beschäftigung, Einkommen oder Kaufkraft würden sie dagegen nur wenig aussagen. Eine umfassende Bewertung der wirtschaftlichen und sozialen Lage eines Landes müsse anhand weiterer Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Sicherheit, institutioneller Entwicklung und sozialen Indikatoren erfolgen.
Während die Regierung die wirtschaftliche Entwicklung als Erfolg ihrer Politik darstellt, nehmen die sozialen Spannungen im Land zu. Gewerkschaften und soziale Organisationen mobilisieren derzeit gegen angekündigte Entlassungen im öffentlichen Dienst, steigende Lebenshaltungskosten und eine Umverteilung nach oben.
Für das Wochenende hatten verschiedene Gewerkschaftsverbände und soziale Bewegungen zu Demonstrationen in Quito aufgerufen. Die Proteste fielen mit einem Anstieg der Benzinpreise zusammen. Gleichzeitig hat Präsident Noboa die Sondersteuer auf Alkohol während der Fußballweltmeisterschaft ausgesetzt.
Auf einer Demonstration vor dem Ministerium für Energie und Bergbau am Freitag prangerte Edwin Bedoya, Vorsitzender des Gewerkschaftsverbands Fut, an: "Das Bier ist billiger geworden, der Sprit teurer." Er warf der Regierung vor, eine Wirtschaftspolitik zu betreiben, die den einfachen Leuten schadet. Die Gewerkschaft der Lehrkräfte Une stimmte dem zu und bezeichnete die Maßnahme als "volksfeindlich". Sollte die Regierung kein Einlenken zeigen, will sie zu weiteren Protesten aufrufen.

