Santiago de Chile. Das 2020 als Gegengewicht zum progressiven Foro de São Paulo gegründete Foro Madrid hat am 3. und 4. September in Santiago de Chile getagt. Das von der Vox-nahen Fundación Disenso initiierte Netzwerk will dem "Vormarsch der extremen Linken" und dem Einfluss des Foro de São Paulo und der Grupo de Puebla ein internationales rechtes Bündnis entgegensetzen. Im Zentrum stehe ein "Kulturkampf" für Freiheit, nationale Souveränität, Familie und Rechtsstaatlichkeit.
Unterzeichner:innen der Gründungscharta waren u.a. die jetzigen Regierenden Italiens, Argentiniens und Chiles: Giorgia Meloni, Javier Milei und José Antonio Kast, sowie die ultrarechten venezolanischen Oppositionellen Corina Machado und Antonio Ledezma.
Chile sei als Gastgeber bewusst gewählt worden: Das Land habe mit der Ablehnung des Verfassungsentwurfs 2022 und Kasts Wahlsieg zweimal einem linken Gesellschaftsmodell widerstanden. Chile sei "nicht nur Veranstaltungsort, sondern Beweis dafür, dass die Reconquista möglich ist".
Rund 40 Vertreter:innen rechter, libertärer und ultrakonservativer Organisationen aus 25 Ländern nahmen teil. Die Parteien Chile Vamos und Evópoli waren offiziell nicht dabei. Unter dem Motto "Eine neue Ära für Lateinamerika" wurde eine gemeinsame Strategie gegen Wokismus, Progressismus, Sozialismus und Sozialdemokratie gefordert. Bereits die Abschlusserklärung des Treffens 2025 in Asunción in Paraguay hatte die "Niederlage des Sozialismus" zum Ziel erklärt und stärkere Zusammenarbeit insbesondere bei Wahlen gefordert. Außenpolitisch positioniert sich das Netzwerk gegen Russland, China und Iran sowie für Israel und Taiwan.
Das Treffen fällt für Kast in innenpolitisch schwierige Zeiten. Bei Zustimmungswerten um 30 Prozent plant die Regierung einen neuen verfassungsrechtlichen Ausnahmezustand für die öffentliche Sicherheit. Hinzu kommt der Streit mit Argentinien um die Magellanstraße und die Malwinen. Kast hatte im Gegenzug für Zugriff auf Gasvorkommen und Fischereigründe Milei Unterstützung im Streit um die Malwinen zugesagt. Die Einmischung in den internationalen Konflikt könnte für Chile außenwirtschaftliche Folgen haben. Außerdem ist eine Untersuchungskommission zu Verbindungen der Regierung zum in Bolivien inhaftierten Kampagnenmanager Fernando Cerimedo eingesetzt worden.
Nach der Eröffnungsrede von Vox-Generalsekretär Ignacio Garriga erklärte Milei in seinem Beitrag die Linke zur Wurzel allen Übels und den politischen Konflikt zum internationalen Kampf zwischen Gut und Böse. Linke bis hin zu Sozialdemokraten beschimpfte er als "versiffte Linksradikale" und lobte Chiles Stabilität und Wachstum seit Beginn der Pinochet-Diktatur. "Das beste Gegenmittel gegen diese dreckigen Linksradikalen, die die Realität leugnen, sind die Fakten", erklärte er. Nach Jahrzehnten "sozialistischer Indoktrinierung" orientiere sich der Kontinent wieder an den Werten des Westens.
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Kast schlug einen gemäßigteren Ton an. Nicht die Linke sei sein Feind, sondern die Probleme des Landes. Die Chilenen hätten ihn gewählt, "um die organisierte Kriminalität, die Armut und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen". Zugleich brachte er den Einfluss der Linken mit dem Verlust staatlicher Kontrolle an Drogenhandel und Terrorismus in Verbindung.
Bei der Gegenveranstaltung "Democracia Siempre" (Immer Demokratien) versammelten sich oppositionelle Kräfte von den Christdemokraten (DC) bis zur Kommunistischen Partei (PC). Michelle Bachelet erklärte in einer Botschaft, die Gefahr bestehe, dass progressive Politiker weiterhin "zum Kopf der Menschen", während die Rechte "zum Herzen" spreche. Camila Vallejo forderte eine eigene politische Alternative und kritisierte gleichzeitig Kast, dass er jemandem wie Milei, der die chilenische Bevölkerung beleidige, eine Bühne biete.
Auch Konservative kritisierten Milei. UDI-Senator Iván Moreira erklärte: "Von links bis rechts müssen wir ein gewisses Maß an Würde bewahren. Das heißt: genug, Herr Milei, mit Ihren Ausfällen."
Senator Matías Walker bezeichnete das Forum als intolerant und forderte die Zurückweisung von Mileis "vulgärer Ansprache".
Antifaschistische Gruppen, Gewerkschaften und Studentenorganisationen riefen in den zwölf größten Städten des Landes zu Protesten gegen das Foro Madrid, Mileis Besuch sowie die Wirtschafts- und Sicherheitspolitik Kasts auf. In Santiago löste die Polizei Demonstrationen mit Wasserwerfern auf.

