Bogotá. Vladimir Flórez, bekannt unter dem Künstlernamen Vladdo, hat RCN Televisión verlassen. Er ist seit fast 40 Jahren als Karikaturist tätig und war dort seit einem Jahr unter Vertrag. Die Entscheidung fiel wenige Tage nach einer kritischen Karikatur von Präsident Abelardo de la Espriella (amerika21 berichtete mit besagtem Bild). Die Zeichnung zeigte wie der Präsident nach einer Militäroperation in Guaviare zwischen Leichensäcken entlanggeht. RCN begründete die Trennung mit "administrativen Gründen". Vladdo teilte auf X mehrere Beiträge, die seinen Abgang mit der Karikatur in Verbindung brachten. Darunter war auch ein Beitrag des Karikaturisten X-tian, der vor dem Verschwinden kritischer Stimmen gegenüber der Regierung aus den traditionellen Medien warnte.
Eine Woche zuvor, am 31. August, stellte Blu Radio die Sendung "Mañanas Blu 10:30" ein, die Camila Zuluaga und Ana Cristina Restrepo acht Jahre lang moderiert hatten und die zweimal mit dem Premio Simón Bolívar ausgezeichnet worden war. Das Team wurde erst wenige Minuten nach der letzten Ausgabe über die Entscheidung informiert. Blu Radio, Teil der Caracol-Gruppe, begründete die Einstellung mit Problemen bei den Werbeeinnahmen und niedrigen Einschaltquoten. Restrepo erklärte dagegen, ihnen seien nie entsprechende Zahlen vorgelegt worden. Die ECAR-Studien hätten die Sendung hinter der Sendung von Néstor Morales als zweitstärkstes Programm des Senders ausgewiesen. Ihrer Einschätzung nach war die Sendung für De la Espriella unbequem. Zwei von La Silla Vacía befragte Quellen berichteten zudem von Anzeichen für Unzufriedenheit innerhalb der Regierung. Während des Wahlkampfs hatte Zuluaga erklärt, De la Espriella habe sein Team angewiesen, ihr keine Interviews zu geben.
Am 3. September wurden neue Leitlinien für das Verhältnis der Regierung zu den Medien vorgestellt, die als Präsidialdirektive eins von 2026 bezeichnet werden. Die Stiftung für Pressefreiheit (FLIP) warnte, die Richtlinie schränke offenbar Interviews und Pressekonferenzen mit Medien ein, die nicht als regierungsnah gelten. Einige Minister könnten demnach nur noch Erklärungen abgeben, ohne dass Journalisten Fragen stellen dürfen. Nach Einschätzung der Organisation könnte dies kritische Nachfragen erschweren, Medien begünstigen, die die Regierung nicht infrage stellen, und Stigmatisierung sowie Selbstzensur fördern. Die FLIP verwies in diesem Zusammenhang auf das Urteil SU-18 von 2026 des kolumbianischen Verfassungsgerichts, das die Verpflichtung des Staates bekräftigt, den Zugang zu Informationen und die Pressefreiheit zu gewährleisten.
Die Kontroverse erreichte auch das Departamento Administrativo Nacional de Estadística (DANE), Kolumbiens nationale Statistikbehörde. Am 7. September sagte die Behörde eine für die Vorstellung der Inflationszahlen für August geplante Pressekonferenz eine halbe Stunde vor Beginn ab, ohne Gründe dafür zu nennen. Wie La Silla Vacía unter Berufung auf eine dem DANE nahestehende Quelle berichtete, habe die Präsidentschaft die Absage angeordnet, weil die Pressekonferenz der allgemeinen Vorgabe widersprochen habe, wonach Staatsbedienstete ohne vorherige Genehmigung nicht mit der Presse sprechen dürften. Der ehemalige DANE-Direktor Juan Daniel Oviedo erinnerte daran, dass das Gesetz 2.335 von 2023 die Unabhängigkeit der amtlichen Statistikproduzenten gewährleistet. Seiner Auffassung nach könne die Präsidentschaft nicht darüber entscheiden, wie das DANE seine Informationen verbreitet. Die ehemalige DANE-Direktorin Piedad Urdinola bezeichnete es als "sehr gefährlich", wenn die Statistikbehörde wie ein weiteres Ministerium behandelt werde.
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Auch bei den öffentlich-rechtlichen Medien kam es zu Veränderungen. Am 18. August ordnete Inravisión, der neue Name des zuvor unter RTVC bekannten öffentlichen Mediensystems, die Aussetzung der gesprochenen Programme der 20 "Emisoras de Paz" an. Die Sender waren nach dem Friedensabkommen von 2016 mit den ehemaligen Guerillaorganisation FARC eingerichtet worden. Die Maßnahme betraf die 74 Frequenzen des Systems. Am 7. September nahmen 16 Sender unter dem neuen Namen "Emisoras de la Reconciliación" ihren Betrieb wieder auf. Das tägliche Nachrichtenformat wurde dabei eingestellt und die Verbreitung von einer nationalen auf eine lokale Reichweite begrenzt. Vier Sender bleiben weiterhin außer Betrieb: in Buenaventura, Agustín Codazzi, Riosucio und Tierralta. Als Grund werden mögliche Unregelmäßigkeiten bei den Sendekonzessionen genannt. Inravisión erklärt, die Sender sollten sich künftig auf die Vermittlung der Inhalte des Friedensabkommens und auf die lokalen Realitäten konzentrieren.
Am 10. September kündigte außerdem die Intendantin von Inravisión, Ángela María Mora Soto, die vorzeitige Beendigung von Dienstleistungsverträgen an, darunter Verträge von Journalisten, Moderatoren und Beschäftigten im Bereich digitaler Inhalte. Die Behörde begründete die Kündigungen mit ihrem laufenden Transformationsprozess und stellte klar, dass es sich weder um Sanktionen noch um eine Bewertung der beruflichen Qualität der Betroffenen handele. Die ehemalige stellvertretende Intendantin María Paula Fonseca bezeichnete den Vorgang als "Arbeitsmassaker".
Vor diesem Hintergrund forderten die FLIP und verbündete Organisationen die Regierung am 9. September zu konkreten Garantien für die Pressefreiheit auf. Nach Angaben der FLIP wurden in den vergangenen vier Jahren 2.003 Angriffe auf 870 Journalisten registriert, darunter zehn Morde. Zudem dokumentierte die Organisation 226 Fälle von Stigmatisierung durch Vertreter der Staatsmacht und im Durchschnitt die Bedrohung eines Journalisten alle zwei Tage. Nach Einschätzung der FLIP verschärfen Gewalt, Drohungen, Vertreibung und Exil zusammen mit den Einschränkungen beim Zugang zu Informationen die Selbstzensur und das Verstummen journalistischer Stimmen in verschiedenen Regionen des Landes.

