La Paz/Buenos Aires/Santiago de Chile. Der ehemalige Berater vieler rechter und libertärer Politiker Fernando Cerimedo ist vergangene Woche im Hochsicherheitsgefängnis Chonchocoro bei La Paz verhört worden. Gegen ihn wird unter anderem wegen versuchten Femizids, häuslicher Gewalt, Geldwäsche, Amtsanmaßung und mutmaßlicher Verbindungen zum Drogenhandel ermittelt.
Während des fast achtstündigen Verhörs mit mehr als 300 Fragen bestätigte Cerimedo laut Staatsanwalt Miguel Cardozo seine Nähe zu Boliviens Präsidenten Rodrigo Paz. "Er hat bestätigt, dass er zu Beginn der Amtszeit Berater des Präsidenten war und diese Funktionen später aufgegeben hat." Sein Verteidiger erklärte dagegen, Cerimedo sei "seit dem Wahlkampf mit Präsident Paz befreundet" gewesen, habe aber "zu keinem Zeitpunkt irgendeine Befugnis oder Funktion innerhalb der Regierung" gehabt.
Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden jedoch Visitenkarten gefunden, auf denen Cerimedo als Hauptberater des Präsidenten bezeichnet wurde. Eine Telefonnummer war auf das Präsidialministerium registriert. Wie diese Visitenkarten einzuordnen sind, ist laut Cardozo Gegenstand der Ermittlungen. Zu gefundenem Bargeld erklärte er, dessen legale Herkunft aus Argentinien nachweisen zu können.
Nadia Beller sagte per Videoschalte als Zeugin im argentinischen Andis-Korruptionsverfahren aus. Sie ist Cerimedos ehemalige Partnerin und Opfer des mutmaßlichen versuchten Feminizids. Cerimedo hatte über seine Freundschaft mit Ex-Behördenchef Diego Spagnuolo und seine Ex-Frau Natalia Basil, eine frühere Andis-Funktionärin, Kontakte in die Behörde.
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Beller erklärte, Tonaufnahmen zu besitzen, auf denen Cerimedo über Korruption in der Regierung Milei spreche. Zudem behauptet sie, Basil habe jene Spagnuolo zugeschriebenen Aufnahmen weitergegeben, die den Skandal auslösten. In deren Zusammenhang wird auch Karina Milei, Schwester und enge Vertraute des Präsidenten, erwähnt. "Alles, was sich auf meinem Handy befindet, wurde der argentinischen Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt. Sie wird nun entscheiden, ob sie darauf zurückgreifen will oder nicht", so Beller.
Die argentinische Justiz bestätigte Anklagebeschlüsse gegen Spagnuolo und 18 weitere Amtsträger, Vermittler und Unternehmer. Ermittelt wird wegen manipulierter Auftragsvergaben, überhöhter Preise, Bestechung und Geldwäsche. Die Vorgänge reichen von Dezember 2023 bis zur Auflösung der Andis 2025. Bislang wurden 49 Personen und mehr als 25 Unternehmen identifiziert, die mit dem Korruptionssystem in Verbindung stehen sollen. Nebenklagevertreter Gregorio Dalbón fordert wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr Spagnuolos umgehende Inhaftierung.
Auch in Chile wächst der Druck. Eine parlamentarische Untersuchungskommission prüft Cerimedos Verbindungen zu rechten und ultrarechten Kampagnen sowie zum "Segundo Piso" (zweiter Stock), dem engsten Beraterkreis von Präsident José Antonio Kast. Auch soll eine mögliche strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen geprüft werden.
Eine Untersuchung von El Mostrador mit Social-Listening-Experten kam unterdessen zum Ergebnis, dass im Präsidentschaftswahlkampf 2025 Mechanismen des sogenannten "Cerimedo-Modells", einer digitalen Kampagnen- und Desinformationsstrategie, eingesetzt wurden. Durch koordinierte Troll- und Bot-Konten seien rechte Botschaften künstlich verstärkt worden. Von 18.500 Konten wiesen etwa 1.300 Merkmale automatisierter oder nicht authentischer Profile auf. Das System sei in der Lage gewesen, "toxische" Botschaften künstlich zu Trendthemen zu machen und so die öffentliche Debatte gezielt zu beeinflussen.

