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28.02.2017 Bolivien

Bolivien - Die Kunst (zu wissen) wie man investiert

Wie die Wirtschaftspolitik der Regierung in Bolivien brachliegende Ressourcen produktiv werden lässt
In elf Jahren hat Boliviens Regierung über 700 Millionen US-Dollar in mehr als 15 Programme zum Nutzen des landwirtschaftlichen Bereichs investiert

In elf Jahren hat Boliviens Regierung über 700 Millionen US-Dollar in mehr als 15 Programme zum Nutzen des landwirtschaftlichen Bereichs investiert

Bolviens Wirtschaftsrevolution hat begonnen, Ressourcen produktiv werden zu lassen, die im Allgemeinen ohne irgendeine produktive Investition brachliegen. Entscheidungen dieser Art haben es der Regierung von Evo Morales ermöglicht, in elf Jahren über 700 Millionen US-Dollar in die Durchführung von mehr als 15 Programmen zum Nutzen des landwirtschaftlichen Bereichs zu investieren.

Im vergangenen Jahr hat das Klimaphänomen "El Niño" den Agrarsektor Boliviens stark in Mitleidenschaft gezogen. Die vielfältigen Auswirkungen verursachten Trockenheiten und Überschwemmungen in verschiedenen Zonen des Landes und in der Folge den Verlust von über 400 Millionen US-Dollar und von mindestens drei Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln im Jahr 2016. Die Regierung von Evo Morales blieb demgegenüber nicht untätig und beschloss den Einsatz eines Instrumentes, das, außer eine Rekapitalisierung des Sektors zu bewirken, den Wirkungsgrad der zu seiner Finanzierung aufgewandten Mittel verbessern wird.

Dabei handelt es sich um die Schaffung eines Agrar-Investitionsfonds für gesellschaftlich produktive Kredite. Das Neuartige an dieser Initiative besteht darin, dass die Ressourcen nicht aufgrund einer Außenverschuldung oder einer Verwendung internationaler Reserven gewonnen werden, sondern aus der Nutzung der Pensionsfonds.

Der geltenden Gesetzgebung über Finanzdienstleistungen des Pensionsgesetzes zufolge ist die Exekutive dazu befugt, bis zu fünf Prozent der Rentenfonds für kleine und mittlere Betriebe mit gesellschaftlich produktiven Projekten zu nutzen. Dies ist so geregelt, dass, wenn ein Pensionär seine Rente kassiert, 40 Prozent davon auf seine Ersparnisse in den Pensionsfonds zurückgehen und 60 Prozent auf die Gewinne des Fonds. Daher lässt es das Gesetz zu, zur Maximierung der Rentabilität zu investieren. Da es sich dabei um eine Investition zur Vermeidung der Unproduktivität der ersparten Gelder und nicht um Aufwendungen für Schulden handelt, hat die Regierung beschlossen, nur ein Prozent davon zur Verfügung zu stellen, was 150 Millionen einer Gesamtsumme von 14,172 Milliarden Dollar ausmacht.

Die Dynamik funktioniert wie folgt: 60 Prozent der insgesamt bereitstehenden Ressourcen, das heißt 90 Millionen US-Dollar, werden an kleine und mittlere Produzenten oder Vereinigungen verliehen, während die übrigen 40 Prozent, die 60 Millionen Dollar entsprechen, den Mechanismus für die Investoren der Verwaltungsgesellschaften der Pensionsfonds (Administradoras de los Fondos de Pensiones - AFP) ausmachen; Geld, das in Werte mit geringem Risiko mit dem Ziel investiert wird, dass die Gewinne einen Rückhalt bilden, der es ermöglicht, mit seinem Ertrag einen eventuellen Zahlungsausfall seitens der Produzenten abzudecken.

Der Landwirtschaftsfonds leiht den Produzenten Kapital für eine Frist von bis zu zehn Jahren, wobei je nach Zielsetzung des Kapitals zwei Zinssätze festgelegt werden:

- Investitionskapital mit einem Zinssatz von sieben Prozent zum Ankauf von Bewässerungssystemen, Landmaschinen und für die Ausweitung der Agrargrenze.

- Operativkapital, dessen Zinssatz bei neun Prozent liegt und das dem Ankauf von Betriebsmitteln dient.

Um Zugang zu diesen Darlehen zu haben müssen die Produzenten:

1. über einen Verkaufsvertrag ihrer Produktion an einen agrarindustriellen Betrieb verfügen, während dieser 20 Prozent des den Produzenten vom Fonds gewährten Kredites garantieren muss;

2. wenn der Verkauf des Produzenten an den agrarindustriellen Betrieb erfolgt ist, behält dieser von der Zahlung an den Produzenten die entsprechende Summe ein, um den Kredit zu begleichen und überweist sie an den Fonds.

Endziel des Fonds ist die Erweiterung der landwirtschaftlichen Angebotspalette, um auf diese Weise die Ernährungssicherheit zu garantieren.

Obwohl die Initiative von verschiedenen Sektoren positiv aufgenommen wurde, mangelte es nicht an Diskussionen. Für Einige macht die Tatsache, dass landwirtschaftliche Aktivitäten von etwas so Unvorhersehbarem und schwer Beeinflussbarem abhängen wie den klimatischen Bedingungen, die Landwirtschaft zu einem verwundbaren und mit hohem Risiko behafteten Sektor, das heißt, man hätte keinerlei Garantie für die Rückstellung der aufgenommenen Mittel. Dennoch enthüllen offizielle Daten, dass es sich hier über Handel und Dienstleistungen hinaus und trotz der zu bewältigenden Naturphänomene um einen der Sektoren handelt, die im Jahr 2016 den geringsten Bankverzug verzeichneten: 0,96 Prozent.

Andere führen an, dass ein Antasten der Pensionsrücklagen das System der sozialen Sicherheit für die aktuellen Beitragszahler in Gefahr bringe, die darauf hoffen, in Zukunft in Rente gehen zu können. Diesbezüglich versichert die bolivianische Regierung, dass die dem Fonds entnommenen 150 Millionen Dollar durch drei Mechanismen der Risikoabdeckung "gepanzert" seien, die es ermöglichen, dass die Ressourcen an ihren Ausgangspunkt zurückkehren, wie auch durch eine 30 Prozent-Garantie, die durch Garantiefonds für den Produktivsektor vereinbart wurde, die mit sechs Prozent der Gewinne der privaten Banken geschaffen wurden.

Zuvor erhielten die Verwaltungen der Privatpensionen 0,5 Prozent der Mittel der Arbeiter nur für die Verwaltung der Ressourcen aus deren Beiträgen, und sie taten dies ohne Rechenschaft darüber abzulegen, wie und wofür dieses Geld verwendet wurde. Heute ist dies anders. Die anfänglich erwähnten Schritte der bolivianische Wirtschaftsrevolution über einen Zeitraum von elf Jahren gehen Hand in Hand mit der ökonomischen Inklusion von ländlichen Familien und Gemeinschaften und führen zur Konsolidierung der Ernährungssouveränität Boliviens.

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