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09.08.2010 Iran / Kuba / USA / Politik

"Die drohende Kriegsgefahr abwenden"

Rede von Fidel Castro in der Nationalversammlung Kubas am 7. August 2010

Havanna. Der ehemalige Staats- und Regierungschef Kubas, Fidel Castro, hat US-Präsident Barack Obama in einer Rede gedrängt, einen nuklearen Angriff auf Iran zu verhindern. Amerika21.de dokumentiert in Folge den text der Rede, die bei einer Sondersitzung des kubanischen Parlamentes am 7. August von Fidel Castro verlesen wurde.

 


Anfangs, vor etwa acht Wochen, dachte ich, dass es keine mögliche Lösung mehr geben würde, um die drohende Kriegsgefahr abzuwenden. So dramatisch schien die Situation, dass ich die einzig vielleicht mögliche Chance zu Überleben in diesem Teil der Hemisphäre sah. Hier bietet sich kein Grund für einen direkten Angriff, ebenso wie in einigen anderen Regionen des Planeten.

 

Es war ein schwerer Gedanke. Er war dem Bewusstsein geschuldet, dass der Mensch sich immer an einen Ausweg klammert, wie unwahrscheinlich dieser auch sein mag.

Ich habe es dennoch versucht.

Glücklicherweise hat es nicht lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass es doch noch eine große Hoffnung gibt. Wenn diese eine Möglichkeit aber verpasst würde, dann hätte das Desaster die schlimmstmöglichen Folgen. Es gäbe keine Rettung für die Menschheit mehr.

Ich bin mir inzwischen aber sicher, dass dem nicht so sein wird und dass im Gegenteil in diesem Augenblick die Voraussetzungen für eine Situation geschaffen wird, von der man bis vor sehr kurzer Zeit nicht einmal zu träumen wagte.

Ein Mensch wird die Entscheidung ohne Hilfe treffen müssen: der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Sicherlich ist es ihm selbst aufgrund seiner Arbeitsbelastung noch nicht klar geworden. Seine Berater aber beginnen es zu begreifen. (...)

Da der Iran keinen Zollbreit nachgeben wird gegenüber den Forderungen der Vereinigten Staaten und Israels, dessen Regierung schon schon erste Schritte zur Mobilmachung für einen Krieg unternommen hat, müssten diese den Angriff sofort starten, sobald die vom Sicherheitsrat am 9. Juni 2010 vereinbarte Frist abgelaufen ist. (...

Jedes Tun des Menschen kommt an eine Grenze, die er nicht überschreiten darf. In diesem kritischen Fall ist es Präsident Barack Obama, der den Befehl zu dem so viel angekündigten und öffentlich proklamierten Angriff geben müsste, indem er den Richtlinien des Imperiums folgt.

Im Augenblick aber, in dem er den Befehl zum Angriff erteilen würde, – es wäre der einzige, den er angesichts des absurden Wettbewerbs zwischen den Mächten und der angehäuften Macht, des Drucks und der enormen Menge atomarer Sprengköpfen geben könnte – würde er nicht nur den sofortigen Tod von hunderten von Millionen Menschen verantworten, darunter eine nicht vorherzusagende Anzahl von Einwohnern seines eigenen Vaterlandes, sondern ebenfalls der Besatzungen aller Schiffe der US-Flotte auf den Meeren rund um den Iran. Gleichzeitig würde der Krieg im Nahen und Fernen Osten und in Eurasien ausbrechen.

Der Zufall will es, dass der Präsident der Vereinigten Staaten derzeit ein Nachkomme von Afrikanern und Weißen, von Muslims und Christen ist. Er wird den Befehl zum Angriff nicht geben, wenn erreicht wird, dass ihm die Folgen bewusst werden. Und das ist es, was wir hier tun.

Die führenden Persönlichkeiten der mächtigsten Länder der Welt, Verbündete oder Feinde, mit Ausnahme von Israel, werden ihn eindringlich bitten, dass er ihn nicht gibt. Die Welt wir ihm dann die Ehre erweisen, die ihm zukommt.

Klar ist, dass die derzeit auf dem Planeten herrschende Ordnung nicht fortdauern und unvermeidbar kollabieren wird. Die so genannten Devisen werden ihren Wert als Instrument jenes Systems verlieren, das den Völkern grenzelosen Reichtum gebracht und zugleich so viel Schweiß und Opfer abverlangt hat. Neue Formen der Verteilung von Güter und Dienstleistungen, der Bildung und Erziehung und der Leitung der sozialen Prozesse werden auf friedliche Art entstehen.

Wenn aber der Krieg ausbricht, dann würde die geltende Gesellschaftsordnung abrupt verschwinden. Die Kosten wären unendlich hoch.

Die Bevölkerung des Planeten kann reguliert werden; die nicht erneuerbaren Ressourcen können bewahrt werden; der Klimawechsel kann verhindert werden; die nützliche Arbeit aller Menschen kann abgesichert werden; die Kranken können behandelt werden, die wichtigsten Kenntnisse, die Kultur und die Wissenschaft können in den Dienst des Menschen gestellt werden.

Die Kinder und die Jugendlichen der Welt dürfen nicht den drohenden atomaren Holocaust erleiden.

Redaktionelle Bearbeitung: amerika21.de

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