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14.08.2010 Venezuela / Wirtschaft

Neues Energiekonzept in Venezuela

Versorgung soll von Arbeitern organisiert werden. Hilfe aus Kuba

Während einer Inspektion des Kraftwerkes in der Ortschaft La Mariposa berichtete Venezuelas Energieminister Ali Rodriguez, dass die Anlage in naher Zukunft eine Kapazität von 45 Megawatt (MW) haben werde. So könne genug Strom produziert werden, um auch die Bewohner der Bezirke Altos Mirandos und Caracas mit genügend Energie zu versorgen.

Die Anlage wurde im März von venezolanischen Arbeitern besetzt, die sich gegen die Energiekrise im vergangenen Jahr wendeten. Mittlerweile haben die inaktiven Maschinen ihren Betrieb wieder aufgenommen. Zusätzlich wurden nach Aussage des Vizepräsidenten Elias Jaua neue Anlagen mit einer größeren Kapazität installiert, sodass die Energieversorgung an das Bevölkerungswachstum und die industrielle Entwicklung angepasst wurde. Außerdem soll so der Lebensstandard in Venezuela angehoben werden.

Kubanische Gewerkschafter unterstützten die Venezolaner bei der Sanierung der Anlage, die seit über 20 Jahren stark vernachlässigt wurde. Jaua merkte an, dass dies "ein Beispiel für die politischen Entscheidungen von Präsident Hugo Chávez“ sei, welcher stets versuche, Arbeiter mit einzubeziehen. Mit Unterstützung der kubanischen Kollegen konnten die Aufgaben bewältigt werden. Obwohl die Anlage von früheren Regierungen aufgegeben wurde, ist diese nun vollkommen saniert.

In Venezuela wird 70 Prozent des Stroms aus Wasserkraft erzeugt, vor allem durch den Guri-Staudamm im Bundesstaat Bolivia. Während längeren Trockenperioden sinkt der Wasserspiegel des Staudamms, wodurch in der Vergangenheit immer wieder Lieferengpässe aufgetreten sind. Die steigende Nachfrage nach Strom konnte zumeist nicht gedeckt werden, sodass Stromausfälle im gesamten Staat entstanden. Die Arbeiter des staatlichen Unternehmens Corpoelec drängten daher auf mehr Mitbestimung. Sie besäén das Wissen und die Kenntnisse, um die bei der Lösung der Energiekrise zu helfen. Im vergangenen September verlangten sie eine stärkere Beteiligung an der Verwaltung des Unternehmens. Nach Ansicht der Arbeiter wurde die Krise vor allem durch die große Bürokratie bei Corpoelec verursacht.

Im letzten Dezember unterzeichnete die Regierung ein historisches Dokument, das sich auf die gesamte Industrie auswirkt. In diesem Vertrag wurde den Arbeitnehmern eine größere Beteiligung an der Entscheidungsfindung und der Verwaltung des Konzerns zugesichert. Die Arbeitnehmer sollen das Management der Firma zu großen Teilen übernehmen. Hierdurch wurden die Forderungen der Streikenden komplett erfüllt. Der von Arbeitern kontrollierte Wiederaufbau des Kraftwerks in La Mariposa ist Teil einer staatlichen Strategie, die Stromwirtschaft des Landes zu verbessern. Vizepräsident Jaua erklärte, dass bis zum Jahr 2015 weitere Kapazitäten von 15.000 Megawatt installiert werden sollen. Nach Jauas Aussagen ist es auf diese Weise gelungen, das nationale Stromnetz in den vergangenen sechs Monaten um zusätzliche 1087 Megawatt zu erweitern. Er sei sich daher sicher, dass die Erweiterung problemlos möglich ist.

Energieminister Ali Rodriguez sprach während einer Inspektion des Kraftwerkes über die notwendigen Schritte, um Probleme in der Zukunft zu vermeiden. Rodriguez gab zu, dass noch Probleme gelöst werden müssten. Probleme bestehen insbesondere in den Verteilungssystemen, auch dies soll vor allem durch die Arbeiter selbst gelöst werden. Das gesamte venezolanische Energiesystem müsste grundlegend erneuert werden. Teil der Renovierungsarbeiten sei vor allem der Energieplan für den Bundesstaat Zulia, dessen Energiebedarf nach Plänen der Regierung durch weitere 3.000 Megawatt gedeckt werden soll. In der Andenregion soll eine Kapazität von weiteren 500 Megawatt durch den Bau eines neuen Staudamms und eines Kraftwerkes erreicht werden.

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