Buenos Aires. Mit Blick auf die Wahlen im Oktober 2027 intensiviert der Peronismus seine Bemühungen zum Aufbau einer Alternative zum ultrarechten Staatspräsidenten Javier Milei. Zur zentralen Figur wird dabei der peronistische Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Axel Kicillof. Der 54-jährige Ökonom regiert die bei weitem bevölkerungs- und wirtschaftsstärkste Provinz Argentiniens seit 2020 und war zuvor unter anderem Wirtschaftsminister (2013–2015) unter der peronistischen Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner.
Kicillofs innerparteiliche Macht im traditionell fragmentierten Peronismus gründet sich zunehmend auf die von ihm Anfang 2025 gegründete Bewegung Movimiento Derecho al Futuro (Recht auf Zukunft, MDF), die er stetig zu verbreitern sucht. Ende März gründete er das Centro de Estudios Derecho al Futuro (Zentrum für Studien zum Recht auf Zukunft, Cedaf). Es handelt sich um eine Denkfabrik, die Konzepte für verschiedene staatliche Politikbereiche erarbeiten und somit auch die Regierungsübernahme vorbereiten soll.
In der vergangenen Woche eröffnete Kicillof an der Fakultät für Exakte und Naturwissenschaften der Universität Buenos Aires (UBA) einen universitären Ableger der MDF-Bewegung. Anwesend waren Dekane, Forschende, Lehrende, Mitarbeitende und Studierende der UBA sowie Minister, Abgeordnete und Beamte der Provinz Buenos Aires.
"Die Verteidigung der öffentlichen Universitäten ist nicht nur ein Akt des politischen Widerstands, sondern ein Beitrag zur Entwicklung unseres Landes", erklärte Kicillof. Dabei warf er Milei die "massive Zerstörung des öffentlichen Bildungswesens" vor.
Kicillof betonte, dass er sich als Absolvent, Dozent und Forscher an der UBA "wie zu Hause" fühle. Aufgrund von Mittelkürzungen und niedrigen Gehältern sowie eingestellten Bauprojekten sei die Lage aber "sehr ernst". "Wir erleben einen beispiellosen Angriff auf die argentinische Wissenschaft", sagte er.
Kicillofs Intervention erfolgt inmitten des eskalierenden Konflikts zwischen den staatlichen Universitäten und der Regierung. Auslöser ist vor allem Mileis Weigerung, das nationale Universitätsfinanzierungsgesetz umzusetzen, das jährliche Budgeterhöhungen vorsieht. Aus Protest befinden sich weite Teile der öffentlichen Hochschulen seit Wochen im Streik und planen für den 23. April eine Massendemonstration.
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Damit vertieft Kicillof seine traditionell guten Beziehungen zu universitären Kreisen, um sich deren breite Unterstützung für seine Kandidatur gegen Milei zu sichern. Insgesamt verfolgt er die Strategie, mit dem Peronismus "neue Wege" zu beschreiten und "keine Zeit mit internen Konflikten zu verschwenden". Er hat mehrfach betont, dass der Peronismus allein "nicht reicht" und es notwendig sei, eine breite Alternative zu Milei aufzubauen.
Kürzlich reiste Kicillof nach Spanien, um sein internationales Profil zu schärfen. In Madrid traf der Gouverneur die CEOs spanischer Unternehmen, um sie zu Investitionen in der Provinz Buenos Aires zu bewegen. Auf Regierungsebene sprach er mit der spanischen Arbeits- und Sozialministerin Yolanda Díaz. Zudem stellte er sein jüngstes Buch "Von Smith zu Keynes: Sieben Lektionen aus der Geschichte des ökonomischen Denkens" im Ateneo de Madrid vor.
In Barcelona traf Kicillof den Bürgermeister Jaume Collboni der sozialdemokratischen Partit dels Socialistes de Catalunya (PSC), die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments Katarina Barley (SPD) sowie die Präsidenten von Brasilien und Kolumbien, Luiz Inácio Lula da Silva und Gustavo Petro.
Der argentinische Gouverneur nahm in Spanien am progressiven Gipfel Global Progressive Mobilisation (GPM) teil, der vom spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in Barcelona veranstaltet wurde und rund 3.000 hochrangige Akteure des Progressismus aus fünf Kontinenten versammelte.
Durch seine Teilnahme positioniert er sich auch auf internationaler Ebene als Oppositionsführer zu Milei. Kicillof war nicht der einzige Vertreter des Peronismus beim GPM. Unter anderem nahm auch der Senator und Ex-Innenminister (2019–2023) Wado de Pedro daran teil.

