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Mit dem Mord an drei Indigenen antwortet die Regierung Santos auf den Agrarstreik in Kolumbien

Zudem vier Schwerverletzte durch Kugeln. Insgesamt 135 Verletzte in den ersten Tagen des Streiks
Der landesweite Agrarstreik begann am 30. Mai

Der landesweite Agrarstreik begann am 30. Mai

Brief des Cumbre Agraria, Campesina, Étnica y Popular1 an den Präsidenten der Republik

Während die Sprecher des Agrarstreiks eine Übersicht über die verheerende Situation von Menschenrechtsverbrechen während des landesweiten Streiks (Minga Nacional) und den fehlenden Schutz der Mobilisierungen präsentierten sowie den Präsidenten zu nationalen Verhandlungen aufriefen, meldeten die Indigenen Autoritäten aus dem Norden des Cauca (Acin) den Mord an zwei Angehörigen des Indigenen Selbstschutzes durch die staatliche Gewalt.

Diese zwei weiteren Toten, zusätzlich zum zuvor ermordeten Angehörigen des Selbstschutzes, Embera Willington Quibarecama, der sein Leben für die Verteidigung der Rechte der Indigenen und aller hingab, sind der 30-jährige Gersaín Cerón, indigener Bewohner des indigenen Schutzgebietes Las Mercedes, einer Gemeinde von Caldono (Cauca), der von einer bereits benutzten, mit unkonventionellen Objekten wie Nägeln etc. gefüllten Granate direkt in die Brust getroffen wurde. Trotz erster Hilfe durch die anwesenden Sanitäter verstarb er noch vor Ort.

Der zweite Ermordete ist Marco Aurelio Díaz aus dem Schutzgebiet La Aguada, der während dem Transport in das Krankenhaus von Santander de Quilichao verstarb, nachdem er von zwei Kugeln getroffen wurde.

Die Vorkommnisse ereigneten sich um 10:19 Uhr morgens auf der Panamericana zwischen Santander de Quilichao und Popayán, genauer: in dem Bereich von Monterilla zwischen La Agustina und el Pital, im Norden der Region Cauca.

Dies ist einer der vier Orte der Mobilisierung und des Widerstands im Rahmen des Streiks im Norden des Cauca mit mehr als 5.000 Teilnehmern, diie Teil der insgesamt 38 Punkte sind, von denen aus die in der Onic2 organisierten Indigenen ihre Botschaft in das ganze kolumbianische Territorium hinaus verkünden.

Am vierten Tag der Mobilisierungen kommt es seit neun Uhr morgens zu heftigen Attacken durch das Esmad3, die Polizei und Angehörige der Armee, wiederum mit Granaten und nicht konventionellen Waffen auf die indigenen Autoritäten aus dem Norden des Cauca.

In diesem ersten Bericht werden außerdem vier weitere Schwerverletzte gemeldet, so der 38 Jahre alte Evilio Hurtado aus Pioyá, Ovidio Ecue Dagua aus Huells Caloto, Oscar Guitio aus Muchique los Tiques und Rafael Pazú aus Jamboló. Gleichzeitig können wir weitere Verletzte durch den von der Nationalregierung zur Zerstreuung der Minga Nacional angeordneten militärischen Angriff nicht ausschließen.

Wir Indigene melden bisher 135 Verletzte, zwei Indigene in den Händen der Justiz, unter ihnen eine Frau, fünf auf illegale Weise Festgenommene sowie einen Verschwundenen.

Wir, die Gruppen und indigenen Organisationen innerhalb der Onic, sind der Überzeugung, dass eine Regierung, die sich derzeit in einem Friedensprozess befindet, die an der Minga Nacional teilnehmenden Indigenen – die zudem ein kollektives Subjekt des besonderen Schutzes und Akteure des Friedens sind – nicht mit Mitteln des Krieges behandeln kann.

Eine weitere in der Pressekonferenz hervorgehobene Beschwerde bezieht sich auf den permanenten Einsatz von Drohnen, welche die Orte, an denen sich unsere Schwestern und Brüder befinden, überfliegen und Flugblätter abwerfen, in denen diese dazu aufgefordert werden, sich zu demobilisieren. Hierdurch wird der Streik offensichtlich stigmatisiert und schikaniert und wir werden in eine gefährliche und bedrohliche Situation gebracht.

Gleichzeitig klagen wir die Lügen der Nationalregierung an, deren Minister Irragorri behauptete, der Streik sei von der ELN-Guerilla infiltriert. Die Nationalregierung und die internationale Gemeinschaft müssen wissen, dass wir Indigenen unsere Entscheidungen autonom und eigenständig treffen, weshalb wir in der Lage sind, mehr als einen Monat auf den Straßen auszuharren und zu widerstehen, ohne dass es uns irgendwer befiehlt.

Deswegen halten wir folgende Forderungen fest:

1. Garantien und Schutz für die Mobilisierung! Sofortiger Stopp der Angriffe und der unverhältnismäßigen Repression gegen die indigenen Gemeinden im Streik!

2. Installation eines nationalen Verhandlungstisches mit dem Präsidenten der Republik und all seinen Ministern mit dem Ziel, alle mit den unterschiedlichen sozialen Sektoren und speziell den Indigenen getroffenen Vereinbarungen einzuhalten!

3. Sofortiges Ende der Stigmatisierungskampagne der nationalen Regierung, angeführt vom Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, der behauptete, dass die Mobilisierung von der ELN infiltriert sei!

4. Sofortige Freilassung der indigenen Brüder und Schwester, die im Rahmen des landesweiten Streiks festgenommen wurden!

Nationale Autorität der indigenen Regierung – Onic

2. Juni 2016

  • 1. Landesweiter Zusammenschluss kleinbäuerlicher und indigener Organisationen
  • 2. Nationale Indigene Organisation Kolumbiens, Teil der Cumbre Agraria, Campesina, Étnica y Popular
  • 3. Aufstandsbekämpfungseinheit
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