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27.12.2017 Amerikas / Deutschlnd / Medien

"Unsere Aufgabe ist, solidarisch und kritisch zu berichten"

Darius Ossami vom Nachrichtenpool Lateinamerika über alternative Berichterstattung zu Lateinamerika und die Kooperation mit amerika21
Logo von Nachrichtenpool Lateinamerika, Poonal/npla

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Quelle: npla.de

Darius, welchen Beitrag leisten Nachrichtenplattformen wie poonal und amerika21 für die Berichterstattung aus und über Lateinamerika und die Karibik für den deutschsprachigen Raum?

Beide Portale berichten aus einer Perspektive, die in den Mainstream-Medien nur selten vorkommt: eher links, basisorientiert, solidarisch – und das über Menschen und Themen, die sonst eher als Randbereiche wahrgenommen werden: Indigene, LGBTI, Feministinnen, soziale Bewegungen, Repression und politische Morde.

Amerika21 hast Du in der Vergangenheit vor allem gelesen, wenn ...

... wenn bei euch über Wahlen berichtet wurde. Das war und ist ein wertvolles Gegengewicht zu anderen Stimmen.

Aus der Sicht von poonal, warum ist eine Kooperation mit amerika21 wichtig?

Amerika21 ist umfassender und tagesaktueller; wir sind dafür spezialisierter und hintergründiger. Ein gegenseitiger Austausch, auch über „brennende“ Themen ist daher äußerst bereichernd.

Amerika21 feiert das zehnjährige Bestehen

Quelle: roemer-grafik.de

In Zeiten von medienfeindlichen Äußerungen bestimmter politischer Gruppen und „alternativer Fakten" in Deutschland: Wie wichtig ist da die Berichterstattung direkt von Basisgruppen und zivilgesellschaftlichen Stimmen aus Lateinamerika?

Extrem wichtig. In vielen Ländern Lateinamerikas sind die Medien in den Händen einiger weniger Oligarchen, deren Interessen und Geld die  Themenauswahl bestimmen. In anderen Ländern sind die Medien regierungstreu, in wieder anderen – etwa Kolumbien und Mexiko–  gibt es eine Selbstzensur aus purer Angst um das Leben. Eine unabhängige Berichterstattung ist so kaum noch möglich. Immer wieder erneuerte Kontakte zur Zivilgesellschaft und Basisgruppen helfen, diese mediale Blockade zu durchbrechen und ein Stück weit unbequeme Fakten ans Licht zu bringen.

Nach welchen Kriterien wählt Ihr in der Redaktion Themen für poonal aus?

Primär geht es uns um das Transportieren von "Stimmen aus Lateinamerika", weswegen wir vor allem Artikel und Meldungen alternativer Agenturen aus Lateinamerika übersetzen und diese für ein deutsches Lesepublikum aufbereiten. Daher verfolgen wir eher Diskurse in Lateinamerika. Wir suchen nicht klassisch nach einem aktuellen Aufhänger, um eine Meldung zu bringen. Wurde ein Menschenrechtsaktivist ermordet, ist uns das beispielsweise immer eine Meldung wert, auch wenn es schon zwei, drei Wochen her ist. Poonal ist seit den Anfängen an bestimmten Themen dran, wie etwa dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA, der Problematik der gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und den Folgen für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in Mexiko, der Landlosenbewegung „Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra“  in Brasilien. Wir berichten regelmäßig über einige Länder, beispielsweise Mexiko und Kolumbien. Auch über bestimmte Inhalte berichten wir öfter, um eine gewisse Kontinuität zu wahren. Inhaltliche Schwerpunkte sind etwa (die deutsche Sektensiedlung)  Colonia Dignidad (in Chile), aber auch allgemeinere Themen wie Bergbau und Menschenrechte. Es finden auch außergewöhnlichere Artikel ihren Weg in unsere Berichterstattung, etwa von Analysten, die die Rolle Chinas in Lateinamerika beleuchten – und manchmal auch Themen, die wir sonst nie haben, um etwas Farbe reinzubringen, wie zum Beispiel ein Interview mit dem kubanischen Schriftsteller Leonardo Padura.

Welche Verantwortung tragen publizistisch und wirtschaftlich unabhängige Medien, wie Poonal und amerika21 innerhalb der etablierten deutschsprachigen Medien?

Es ist unsere Aufgabe, solidarisch und kritisch zu berichten und Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen zu Wort kommen zu lassen, die ansonsten keine Stimme haben. Das ist seit 1991 der Auftrag von poonal und das hat sich trotz Internet und Globalisierung auch bis heute nicht  geändert. Amerika21 trägt seit der Gründung vor nun zehn Jahren in dieser Art und Weise zur Berichterstattung bei. Daher: Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

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