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13.04.2010 Deutschland / Kuba / Medien

Kuba: Gefährliches Einheitsdenken

Das sozialistische Kuba, politische Kampagnen gegen die revolutionäre Regierung und linke Medien

Wir dokumentieren einen Leserbrief von Dr. Edgar Göll, stellvertretender Vorsitzender des bundesdeutschen Netzwerks Cuba, zum Artikel Bloggen gegen Kuba des Autoren Christian Klemm aus der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland (12.04.2010).

Als Sozialwissenschaftler, der sich dem Thema Kuba seit über 16 Jahren widmet, kann ich dem Autor fast komplett zustimmen. Zwei Punkte möchte ich noch ergänzend anmerken: Umgang mit Linken in den Medien und der Kontext der derzeitigen Kuba-feindlichen Aktivitäten und den Medien.

Ähnliche Verzerrungen, Selektionen und Negativklischees wie sie bürgerliche und reaktionäre Medien gegen Kuba oder auch Venezuela benutzen, werden gegen linke Kräfte in diesem unserem Lande angewandt: Da wird Positives verschwiegen, abstruse Details aufgeblasen, Persönliches in den Vordergrund gestellt, Wesentliches ignoriert und Systemkritisches unterdrückt.

Ein Paradebeispiel des verbreiteten Ignorierens in Bezug auf Kuba ist der Politik-Justiz-Skandal gegen die fünf Kubaner in den USA, die nach einem Schub von Terrorattacken gegen Kuba nach Florida gegangen waren, um rechte Exilgruppen zu beobachten und weiteren Terror zu verhindern. Doch statt die Terroranhänger zu bestrafen, wurden diese fünf Kubaner für Jahrzehnte eingesperrt, teilweise in Isolationshaft und ohne Besuchsmöglichkeiten für ihre Ehefrauen und Familienmitglieder. Aus solch einem Skandal ließe sich leicht eine tolle und ergreifende Story machen – doch in den HERRschenden Medien wird darüber geschwiegen, so als wolle man seine Freunde in Washington nicht brüskieren und Kuba nicht als bedrohte Gesellschaft darstellen.

Eine zeitlang kann ein solches Negativimage beibehalten werden, doch manchmal muss gewissermaßen "nachgeholfen" und provoziert werden. Gerade Kuba hat seit seiner erfolgreichen Revolution 1959 im "Hinterhof" der USA fast alle Formen von Aggressionen und Intervention über sich ergehen lassen müssen – blieb aber stabil und auf seinem sozialistischen Weg, der nicht nur von den Völkern der Region anerkannt und als Beispiel angesehen wird, sondern auch von Fachleuten internationaler Organisationen. Vom Global Footprint Network etwa wird Kuba seit Jahren als einziges Land als "zukunftsfähig" eingestuft, weil es sozial und ökologisch so viel erreicht hat – mehr, als all die reichen kapitalistischen Staaten. Doch das wird geflissentlich ignoriert, denn das würde eine gefährliche Alternative stärken, für die Kuba wie kein anderes Land steht!

Da ist das Thema Menschenrechte ein tolles Werkzeug – denn wer ist schon dagegen? Auf einem internationalen Kuba-Kongress hat dies einer der Hauptreferenten in ein treffendes Bild gebracht: "In einem Hinterhof wird ein Mensch von einer Horde schwer bewaffneter Männer bedrängt. Einer tritt und würgt ihn, er wird ausgeraubt, seine Krawatte verrutscht. Die Nachbarn, die zuschauen und auch die Presse anderntags werfen aber nur dem überfallenen Menschen vor, seine Krawatte sitze schief."

Dass ausgerechnet in der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama Provokationen und Kampagnen gegen Kuba ins Laufen gebracht werden, ist logisch: In Lateinamerika nimmt der Anklang linker Parteien zu, progressive Regierungen gibt es in immer mehr Staaten, und bei Obama bestand im Vergleich zu den meisten Vorgängern eine gewisse Chance für reale Verbesserungen der bilateralen Beziehungen auch zu Kuba. Gerade dies galt es vehement zu unterminieren. Daher werden Gerichtsprozesse für abstruse Entschädigungsleistungen auf Kubas Kosten durchgezogen, da werden NGO-Vertreter aus den USA mit US-gesponserten Hightech-Geräten beladen durch Kuba geschickt, um diese Geräte an Regimegegner zu verteilen. Da wird ein krimineller Häftling und dessen Hungerstreik (für Fernsehgerät und Handy) zu einem heroischen Dissidenten modelliert, durch sein Ableben wird er zum Märtyrer hochstilisiert. Da werden die "Damen in Weiß" nicht als Bräute von einsitzenden Gesetzesbrechern, sondern als Freiheitskämpferinnen aufgebauscht. Da wird eine vom System zerstörenden Westen massiv unterstützte Bloggerin als Lichtgestalt bejubelt – im Westen durch westliche Medien, wo Linke inkl. Kommunisten nichts zu lachen oder gar zu (erwerbs-)arbeiten haben, wo "Brot & Spiele" jegliche reale Utopie in Süßstoffschleim versiegen lassen.

Fazit: Linke sollten diese Machenschaften durchschauen. Die HERRschenden kapitalistisch-imperialen Kreise lassen nichts anderes als ihre eigene Herrschaft gelten. Systemwandel und Transformation (und Radikale und Gewerkschafter) sind ihnen im eigenen Lande verhasst, von anderen Ländern wird dieser Wandel jedoch locker eingefordert. Die Medien machen dieses Spiel mit. Der französische Soziologe Pierre Bourdieu nannte das zu Recht "Einheitsdenken". Linke sind gefährlich – es sei denn, sie lassen sich "domestizieren" wie ein wildes Tier im Zoo, oder gar ein Hündchen auf dem Schoß. Ergo: Aus all diesen Erfahrungen heraus sind linke Medien so lebenswichtig und müssen weiter gestärkt werden! Und daher ist gerade auch Solidarität mit Kuba so bedeutsam!

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