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08.11.2013 Chile / Kultur / Politik

Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen. Chile – 11.9.1973

Kind bei den Straßenbarrikaden in Villa Francia, Santiago (1985)

Quelle: Oscar Navarro
Lizenz: © Oscar Navarro
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In der Verdi-Mediengalerie in Berlin ist am 5. November 2013 eine Ausstellung mit rund 40 großformatigen schwarz-weiß Bildern von chilenischen Fotografen eröffnet worden, die unter der Pinochet-Diktatur von 1973 bis 1990 Bilder machten: José Giribás, Oscar Navarro und Santiago Oyarzo Pérez. Außerdem von Maria Olga Allemand und Marco Ugarte. Es sind Bilder vom Widerstand gegen die Diktatur und von brutaler Unterdrückung. Von Verhaftungen, von zusammengeschlagenen Menschen, von Demonstrationen, von protestierenden Männern und Frauen, die nach ihren verschwundenen Angehörigen fragen, vom alltäglichen Widerstand in den Armenvierteln und von demolierten Fahrzeugen der Spezialpolizei und der Pinochet-Kolonne nach Aktionen von Guerillas.

"Die Vergangenheit ist nicht tot, sie ist nicht einmal vergangen. Chile – 11.9.1973" ist der Titel der Ausstellung, die an den Jahrestag des Putsches gegen die Allende-Regierung erinnert. Die Fotografen José Giribás, Oscar Navarro, Santiago Oyarzo Pérez, Marco Ugarte und die Fotografin Maria Olga Allemand sind Mitglieder der 1981 gegründeten Vereinigung unabhängiger Fotografen (AFI). Allemand wurde während des Papst-Besuches in Chile im April 1987 durch eine Polizeikugel schwer verletzt. In der Rede zur Ausstellungseröffnung erinnerten die Veranstalter daran, dass die AFI-Fotografen sich beim Dokumentieren von Straßenkämpfen, bei Protestaktionen und brutaler Repression durch ihre Kameras oft gegenseitig schützten. Ihre Bilder sind mitten im Geschehen entstanden, sie waren beteiligt am Widerstand gegen die Diktatur. Die AFI-Fotografen waren auch an der Suche nach Verhafteten oder Verschleppten beteiligt. Durch ihre Arbeit wurde der Terror unter der Militärdiktatur, aber auch der Widerstand dagegen, für die Weltöffentlichkeit sichtbar. Damit waren sie für das Regime eine Gefahr. Sie wurden selbst verfolgt und mussten zeitweilig emigrieren.

Santiago Oyarzo Pérez war zweimal in den Folterlagern der Diktatur inhaftiert. Als Mitglied der Bewegung der Revolutionären Linken (MIR) hatte er 1976 den Auftrag, konspirativ Dokumente herzustellen und wurde aus Tarnungsgründen Fotograf. Bei seiner kurzen Ansprache am Dienstag sagte er, dass seine Fotos zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden. Sie seien keine Kunstwerke - aber sie zeigten die Wahrheit und "die Wahrheit ist immer revolutionär".

Oscar Navarro und Santiago Oyarzo Pérez leben nach mehrjährigem Exil wieder in Chile. José Giribas mußte Chile 1973 verlassen, kehrte aber regelmäßig auch unter der Diktatur zurück und fotografierte mit Hilfe seiner Kollegen, wurde Mitglied von AFI und unterstützte sie aus dem Exil mit Film- und Entwicklungsmaterial. Er lebt und arbeitet in Berlin. Von ihm stammt die Idee zu dieser Ausstellung, die bis zum 10. Januar 2014 zu sehen ist.

Am Freitag 15. November um 18 Uhr wird in der Mediengalerie der Dokumentarfilm "Stadt der Fotografen" von Sebastián Moreno (Chile 2006), gezeigt. Die drei Fotografen werden zu einer anschließenden Diskussion anwesend sein.

Verdi Mediengalerie, Dudenstraße 10, 10965 Berlin
Montag und Freitag 14-16 Uhr / Dienstag 17-19 Uhr / Donnerstag 14-19 Uhr

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