Apablaza taucht in Argentinien unter, Chile fordert Auslieferung

Früherem FPMR-Chef wird Mittäterschaft an Ermordung des Senators Guzmán im Jahr 1991 vorgeworfen. Asylstatus wurde 2026 aberkannt. Präsident Milei ordnete Ausweisung an

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Anhänger der FPMR bei einer Demonstration in Santiago
Anhänger der FPMR bei einer Demonstration in Santiago

Santiago/Buenos Aires. Der seit 1993 mit seiner Familie in Argentinien lebende Chilene Galvarino Apablaza war spurlos verschwunden, als die argentinische Polizei ihn am vergangenen Mittwoch an seinem Wohnort in der Provinz Buenos Aires festnehmen wollte, um ihn nach Chile auszuliefern. Er gilt seitdem als Justizflüchtling. Apablaza wird die Beteiligung an dem Attentat auf den Senator Jaime Guzmán 1991 zur Last gelegt.

Für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, ist eine Belohnung von umgerechnet 12.500 Euro ausgerufen. Die Verteidigung geht wegen des politischen Drucks und des fortgeschrittenen Alters von Apablaza davon aus, dass er Gefahr laufen könnte, gesundheitlich geschädigt zu werden.

Nach dem tödlichen Anschlag auf Guzmán flüchtete Apablaza nach Argentinien, wo er unter dem falschen Namen Héctor Daniel Mondaca unentdeckt lebte, bis die Polizei ihn 2004 aufspürte. Die ehemalige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner erteilte Apablaza 2010 politisches Asyl und machte so eine Ausweisung nach Chile unmöglich (amerika21 berichtete). Im Februar 2026 wurde Apablaza der Asylstatus in Argentinien aberkannt und am 14. Februar unterschrieb Präsident Javier Milei den Ausweisungsbescheid.

Der chilenische Präsident Kast äußerte bei seinem Antrittsbesuch bei Milei am Montag die Hoffnung, Apablaza bald ausfindig zu machen und in Chile vor Gericht zu stellen. Die kommunistische Parlamentsabgeordnete Lorena Pizarro sagte in einem Interview: "Wir sprechen hier von einer Person, die politisches Asyl genießt. Er war ein prominenter antifaschistischer Kämpfer gegen die zivile und militärische Diktatur."

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Nach dem Putsch vom 11. September 1973 wurde Apablaza als Studentenaktivist und Mitglied der Kommunistischen Partei in Chile mehrfach verhaftet, gefoltert und schließlich im September 1974 nach Panama ausgewiesen. In Kuba wurde Apablaza ab 1975 zum Offizier ausgebildet und nannte sich fortan Comandante Salvador. 1979 begab er sich mit einer Kampfgruppe nach Nicaragua und schloss sich dem Befreiungskampf gegen die Diktatur von Anastasio Somoza an. Nach dem Sieg der Sandinisten kehrte Apablaza als Kommandeur der inzwischen gegründeten Frente Patriótico Manuel Rodríguez (FPMR) nach Chile zurück. Die FPMR hatte als bewaffneter Arm der Kommunistischen Partei den Guerillakampf gegen die Diktatur von Augusto Pinochet aufgenommen.

Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Pinochet am 7. September 1986 musste Apablaza fliehen, kehrte aber schon zwei Jahre später zurück. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die FPMR bereits in der Auflösung. Apablaza übernahm zusammen mit Juan Gutiérrez Fischmann alias Chele und Mauricio Hernández Norambuena alias Ramiro das Kommando über die FPMR-A, um den bewaffneten Kampf weiterzuführen.

Der rechte Senator Jaime Guzmán galt als Symbol des Fortbestandes der Diktatur. Guzmán war engster Berater von Pinochet und maßgeblich an der Ausarbeitung der Verfassung von 1980 beteiligt, die in ihren Grundzügen bis heute gültig ist. Um das politische Vermächtnis der Diktatur zu bewahren, beteiligte sich Guzmán an der Gründung der Union Democrata Independiente (UDI), die bis heute die Diktatur verteidigt.