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Schulstreit: Chemnitz verteidigt Pablo Neruda

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Internetseite der Pablo-Neruda-Schule
Internetseite der Pablo-Neruda-Schule. Auf dem Bild der Tafel versucht die Schulleitung Tatsachen zu schaffen: "Grundschule auf dem Kaßberg" steht dort.

Chemnitz. Ein Antrag auf Namensänderung der örtlichen Pablo-Neruda-Grundschule ist am Mittwoch im Stadtrat von Chemnitz mit großer Mehrheit abgelehnt worden. 37 Mitglieder des Gremiums votierten gegen die Umbenennung in "Grundschule Kaßberg". Lediglich neun Räte befürworteten den Antrag, sechs enthielten sich.

Nach Informationen der Tageszeitung Freie Presse hatte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig im Vorfeld angekündigt, auf der Ratssitzung gegen den neuen Schulnamen zu stimmen. Der Name Pablo Nerudas stehe auch als Wertschätzung für den chilenischen Literaturnobelpreisträger. Den Argumenten der Antragsteller, man könne Grundschülern Neruda nicht nahebringen, widersprach Ludwig demnach. "Das würde auch für andere Schulnamen wie zum Beispiel Charles Darwin gelten", so Ludwig. Dennoch gebe es keine Bestrebungen, andere Schulen umzubenennen.

Nach Bekanntwerden des Ansinnens der Schulleiterin Martina Schwermer war es überregional zu Protesten gekommen. Selbst aus dem südamerikanischen Montevideo traf ein Brief in der sächsischen Stadt ein. In dem Schreiben des Kulturzentrums Casa Bertold Brecht in der uruguayischen Hauptstadt hieß es: "In unserer Stadt Montevideo gibt es (wie fast überall in Südamerika) Straßen und Plätze sowie Einrichtungen (Kulturzentren, eine Musikschule und einen Kindergarten), die nach verdienstvollen Deutschen benannt sind."  Niemand in diesem Land käme auf die Idee, derlei Errungenschaften abschaffen wollen. Im Gegenteil erlebten die Menschen in dem südamerikanischen Land dies "als sichtbare Zeichen der Verbundenheit zwischen unseren Völkern und Nationen".

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