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Venezuela weist Diplomaten Paraguays aus

Caracas/Asunción. Am Mittwoch hat die venezolanische Regierung die Akkreditierungen und Visa für den paraguayischen Konsul sowie drei weitere Botschaftsangestellte in Venezuela storniert und die Diplomaten des Landes verwiesen.

Binnen 72 Stunden müssen sie das Land verlassen haben. Der Sprecher des venezolanischen Außenministeriums sagte, dieser Schritt sei eine reine Formsache, da ihnen bisher ausreichend Zeit zur Verfügung gestanden hätte, das Land zu verlassen.

Am 4. Juli, eine Woche nach dem parlamentarischen Putsch gegen den rechtmäßig gewählten Präsidenten Paraguays, Fernando Lugo, waren der venezolanische Außenminister und jetzige Vizepräsident Nicolás Maduro und der Botschafter des Landes, José Arrúe, in Paraguay zu unerwünschten Personen erklärt worden. Venezuela schloss daraufhin seine Botschaft in Asunción. Paraguays De-facto-Regierung warf Maduro vor, er habe versucht, das Militär gegen die Senatsentscheidung aufzuwiegeln. Maduro war gemeinsam mit einer Außenminister-Delegation der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) am Tag des Putsches in Asunción eingetroffen. Das als Beweis präsentierte Video einer Überwachungskamera im Regierungspalast erwies sich im Nachhinein als manipuliert. Am gleichen Tag zog Paraguay seinen Botschafter aus Caracas ab.

Möglicherweise ist die jetzige Entscheidung Venezuelas eine Reaktion auf das sich verschärfende politische Klima zwischen beiden Staaten. Paraguays Außenminister Jose Felix Fernandez Estigarribia traf sich vergangene Woche mit dem Außenminister "eines anderen lateinamerikanischen Staates" und bat um Hilfe bei der Lösung der regionalen Isolierung seines Landes. Die Identität seines Gesprächspartners wollte er nicht preisgeben.

Gegenüber Pressevertretern am Rande der Tagung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am vergangenen Dienstag betonte er erneut die angeblich illegale Aufnahme Venezuelas in den Gemeinsamen Markt des Südens (Mercosur). Außerdem berichtete er über eine möglicherweise baldige Rückkehr der Botschafter von Chile und Kolumbien nach Paraguay. Eine offizielle Bestätigung seitens der genannten Staaten liegt noch nicht vor. Einen Kontakt zu den Außenministern Brasiliens und Argentiniens, um eine frühere Rückkehr Paraguays in den Mercosur zu sondieren, verneinte Estigarribia auf Nachfrage der Presse.

Paraguay wurde am 29. Juni, eine Woche nach dem parlamentarischen Putsch gegen Fernando Lugo, aus dem Mercosur und der Union Südamerikanischer Nationen bis zur Präsidentschaftswahl im April 2013 ausgeschlossen. Am 31. Juli wurde Venezuela als Vollmitglied in den Mercosur aufgenommen.

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