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29.10.2012 Brasilien / Soziales / Umwelt

Einsatz von Pestiziden: Kritiker sollen zum Schweigen gebracht werden

Gilvander Moreira

Gilvander Moreira

Quelle: racismoambiental

Brasília. Die brasilianischen Justizbehörden haben Ermittlungen gegen einen Aktivisten aufgenommen, der im Januar dieses Jahres auf mutmaßliche Verunreinigungen im Schulessen hingewiesen hat. Der katholische Geistliche Gilvander Moreira aus dem Bundesstaat Minas Gerais hatte ein Video auf der Plattform Youtube veröffentlicht, in dem eine Schulköchin von Bohnen berichtete, die deutlich nach Pestiziden rochen. Das Gemüse war für Schulmahlzeiten von Kindern bestimmt. Das Video ist zwar schon seit Januar 2012 online. Doch erst jetzt geht die Nahrungsmittelfirma vor Gericht gegen Moreira sowie die Internetunternehmen Google und Youtube vor.

In einer ersten Reaktion auf die Anklage, die mit einer Aufforderung verbunden war das Video innerhalb von fünf Tagen zu entfernen, verwies Moreira auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung. Auch führte er das verfassungsmäßige Recht auf körperliche Unversehrtheit an, das durch Pestizide in Lebensmittel gefährdet sei. Sollte das Video nach Ablauf der Frist noch immer online sein, droht dem Pestizidkritiker eine Gefängnisstrafe.

Wie Daten der brasilianische Entwicklungsbank (BNDES) belegen, hat sich Brasilien zwischen 1990 und 2010 zum größten Importeur von Pestiziden weltweit entwickelt. Im Nordosten des Staates Minas Gerais, in dem die mit Pestiziden belasteten Bohnen aufgetaucht waren, liegt die Krebsrate bei 1.260 Personen pro 100 000 Einwohnern und ist damit rund dreimal so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Auch eine Studie des Nationalen Krebsinstituts (Instituto Nacional de Câncer, Inca) weist darauf hin, dass von den jährlich 500.000 neuen Krebserkrankungen in Brasilien viele durch Pestizide zumindest mit verursacht sein könnten.

Vor dem Hintergrund dieser bedrohlichen Entwicklung stieg die Nachfrage nach biologisch erzeugten Lebensmitteln innerhalb Brasilien in den letzten Jahren stark an. Allerdings sind die Preisunterschiede zwischen konventionell angebauten und biologischen Lebensmitteln in Supermärkten enorm. Es gibt zwar in den großen Städten regelmäßige Wochenmärkte die ausschließlich biologisch angebaute Lebensmittel verkaufen, die Informationen darüber sind aber rar. Deshalb hat das National Forum für Verbraucherschutz eine Studie herausgegeben, die biologische Wochenmärkte in 27 Städten auflistet.

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09.02.2011 Nachricht von Christian Russau