Kuba / Europa / Politik

Moratinos lehnt Treffen mit Dissidenten ab

Regierungsgegner in Kuba setzen weiter auf Konfrontation. Ärzte kämpfen um Gesundheit von Hungerstreikendem

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Miguel Ángel Moratinos - hier 2008 in Brasilien
Moratinos - hier 2008 in Brasilien

Havanna. Spaniens Außenminister Miguel Ángel Moratinos beendet am heutigen Dienstag einen zweitägigen Arbeitsbesuch in der kubanischen Hauptstadt. Wie schon bei der Visite des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio "Lula" da Silva Ende Februar wird nun auch der Besuch des spanischen Chefdiplomaten von dem Hungerstreik eines Gegners der sozialistischen Regierung überschattet. 

Der Gesundheitszustand von Guillermo Fariñas ist nach Auskunft der behandelnden Ärzte kritisch. Der 48-jährige ist nach dem Tod des inhaftierten Straftäters Orlando Zapata Ende Februar in Hungerstreik getreten. Fariñas fordert die Freilassung von mehreren Dutzend Regierungsgegnern, die wegen geheimdienstlicher Zusammenarbeit mit den USA zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Die kubanische Regierung zeigt sich indes zunehmend besorgt über die selbstgefährdenden Methoden der Systemgegner.

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Der Tod Zapatas vor vier Monaten wurde von antikubanischen Kräften weltweit für Angriffe gegen die sozialistische Führung genutzt. Nach Informationen diplomatischer Quellen in Brüssel drängen vor allem Polen, Tschechien und Deutschland in der EU-Ratsarbeitsgruppe Lateinamerika (COLAT) darauf, die Position gegen Kuba nachhaltig zu verschärfen – was von der spanischen Ratspräsidentschaft jedoch verhindert wurde. Moratinos lehnte es auch jetzt während seines Kuba-Aufenthaltes ab, mit Fariñas zusammenzutreffen.

Kubas Regierung konterte Anfang dieser Woche. In einem ausführlichen Interview mit der staatlichen Tageszeitung „Granma“ schilderte der behandelnde Arzt Armando Caballero den Kampf der kubanischen Mediziner um das Leben des "Patienten", wie Fariñas in dem Interview durchweg genannt wird. Dieser bekomme Aminosäuren und Mineralstoffe verabreicht, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten. Auch wenn sich der Zustand von Fariñas nach seiner Einlieferung in das Universitätskrankenhaus Arnaldo Milián Castro von Santa Clara am 11. März zunächst verbessert habe, steige aufgrund der Mangelernährung grundsätzlich die Gefahr von Bakterien- und Pilzinfektionen. Dies sei nun bei dem Patienten der Fall, führte der Mediziner Caballero aus, um anzufügen: "Der Kampf um sein Leben ist unsere Pflicht."

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