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Klagen gegen ThyssenKrupp-Stahlwerk in Rio

Anwohner protestieren gegen Luftverschmutzung. Umweltamt verlangt Reduzierung der Produktion und droht Strafzahlungen an
Sorgt für Ärger: Deutsches Stahlwerk in der Nähe von Rio

Sorgt für Ärger: Deutsches Stahlwerk in der Nähe von Rio

Quelle: Privat

Rio de Janeiro/Berlin. Anwohner des Stahlwerks TKCSA von ThyssenKrupp in Santa Cruz, rund 70 Kilometer westlich des Stadtzentrums von Rio de Janeiro, beklagen sich über Luftverschmutzung seit Betriebsbeginn des Industriekomplexes Mitte dieses Jahres. Gegenüber der Zeitung Extra Globo berichteten die Anwohner unlängst über Hustenreiz und notwendige Krankenhausbesuche.

Das Umweltamt des Bundesstaats Rio de Janeiro, INEA, gab TKCSA fünf Tage Zeit, um die Kapazität des Hochofens zu reduzieren. Andernfalls drohe ein Strafgeld von umgerechnet bis zu 880.000 Euro. ThyssenKrupp hat wiederholt erklärt, dass sich das Stahlwerkprojekt auf dem neuesten Stand der Technik befinde.

Am vergangenen Freitag suchten Techniker des Umweltamts das Firmengelände auf. INEA erklärte daraufhin, "dass die Partikel hauptsächlich durch Kippen und Kühlung des noch nicht gegossenen Roheisens in Notgruben entstanden sind". INEA berichtete weiter über zuvor entstandene Probleme in den Stranggussmaschinen beim Stahlwerk. Eine chemische Analyse des Partikelstaubs liegt noch nicht vor.

Seit September 2006 baut Thyssen-Krupp zusammen mit dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale an dem Stahlwerkkomplex Companhia Siderúrgica do Atlântico (TKCSA) in der Bucht von Sepetiba im Bundesstaat Rio de Janeiro.

Mit bis zu 5,9 Milliarden Euro wurde das Vorhaben von Medien als größte deutsche Auslandsinvestition in den letzten Jahren in Brasilien bezeichnet. Jedoch bereits seit 2007 protestieren lokale Fischer, Bürgerinitiativen und Menschenrechtsgruppen gegen den deutschen Stahlkonzern. Die Kritiker sprechen von Umweltverstößen, Umgehung von behördlich angeordneten Baustopps, Verletzungen von Arbeitsbestimmungen und einer Privatisierung der öffentlichen Gewässer. Einige der von der Firma beschäftigten Sicherheitskräfte sollen paramilitärischen Milizen angehören.

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