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Wikileaks-Gründer Assange lobt Brasilien

Interview: Internetaktivist denkt über Arbeit aus dem südamerikanischen Land nach. Kritik an Umgang mit US-Depeschen durch etablierte Medien

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Julian Assange
Julian Assange

London/Brasilia. Der Mitbegründer der Internetplattform Wikileaks, Julian Assange, hat dem scheidenden Präsidenten Brasiliens, Luiz Inácio "Lula" da Silva, in einem Interview mit der brasilianischen Tageszeitung Estado do São Paulo für dessen "couragierte" Unterstützung gedankt. Auf Nachfrage schloss der gebürtige Australier nicht aus, seine Arbeit von Brasilien aus fortzuführen.

Brasilien sei ein "hinreichend großes Land, um sich von Druck der USA frei zu machen", so Assange in dem Interview: Das südamerikanische Land könne den USA ökonomisch und militärisch die Stirn bieten. Die "couragierte" Unterstützung Da Silvas für das Internetprojekt und die Veröffentlichung bis dato geheimer US-Depeschen biete der neuen Staatschefin Dilma Rousseff eine gute Basis, so Assange weiter. Rousseff übernimmt am 1. Januar von Da Silva das Präsidentenamt.

Durch die bislang veröffentlichten Berichte zwischen den US-Vertretungen in Brasilien und dem Außenministerium in Washington war unter anderen bekannt geworden, dass US-Außenministerin Hillary Clinton ihre Diplomaten zur Spionage ermutigte. Auch sollten die US-Vertreter in dem südamerikanischen Land direkt Einfluss auf die politische Ausrichtung der Staatsführung Da Silvas nehmen, die als "antiamerikanisch" eingestuft wurde.

Nach Angaben von Assange ist bislang erst ein kleiner Teil der Depeschen zu Brasilien ins Netz gestellt worden. Insgesamt existierten über die südamerikanische Regionalmacht 2.855 Berichte.

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Zugleich kritisierte Assange gegenüber dem arabischen TV-Sender Al Jazeera fünf führende Redaktionen, die mit Wikileaks zusammenarbeiten. Das Portal hatte den Medien New York Times (USA), The Guardian (GB), Le Monde (Frankreich), Der Spiegel (Deutschland) und El País (Spanien) alle gut 250.000 Depeschen vorab zur Verfügung gestellt.

"Bislang waren wir von diesen fünf großen Redaktionen abhängig", sagte Assange, "und alles was bislang veröffentlicht wurde, geschah vor allem im Interesse dieser Redaktionen wie The Guardian, El País oder le Monde", zitiert der lateinamerikanische Sender Telesur den Aktivisten.

Besonders in lateinamerikanischen Staaten war der spanischen Zeitung El País wiederholt vorgeworfen worden, die Informationen aus den Depeschen einseitig für Berichte gegen die linksgerichteten Staaten in der Region zu verwenden. In einer Diskussion mit Amerika21-Redakteur Harald Neuber hatte ein Journalist des Spiegels dieses Vorgehen in der Sendung "Quadriga" der Deutschen Welle vor wenigen Wochen noch verteidigt.

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05.12.2010 Artikel von Malte Daniljuk