Brasiliens Arme müssen der WM weichen

Staatsanwaltschaft fürchtet Massenumsiedlungen durch geplante Baumaßnahmen für die Fußball-WM im Jahr 2014

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Residenz des deutschen Konsuls in Rio
Von Räumung wohl nicht bedroht: Residenz des deutschen Konsuls in Rio

Brasília. Die Bundesstaatsanwaltschaft in Brasilien befürchtet "massive Umsiedlungen" von ärmeren Bevölkerungsschichten wegen der geplanten Baumaßnahmen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Dies geht aus einer Mitteilung der Behörde hervor.

Die Staatsanwaltschaft im Bundesstaat São Paulo kündigte an, die Vorgänge um die sozialen Auswirkungen rund um die geplanten Baumaßnahmen zur Fußball-WM unmittelbar zu verfolgen.

Dazu habe der Bundesstaatsanwalt in São Paulo, José Roberto Pimenta Oliveira, in den vergangenen Wochen Amtsanfragen an diverse Bundes-, Landes- und Bezirksbehörden versandt, um "detaillierte Informationen über die Prozesse der Umsiedlung und Wiederansiedlung von Familien zu erhalten", so die Mitteilung der Staatsanwaltschaft vom Dienstag. Diese Informationen seien von essentieller Bedeutung, um die Legalität und Ordnungsmäßigkeit der Maßnahmen zu überprüfen, so Staatsanwalt Pimenta Oliveira.

Da die Fußball-WM ein Projekt mit Auswirkungen auf das ganze Land sei, müsse sich die Staatsanwaltschaft auf Bundesebene des Falles annehmen. Dazu habe die Bundesstaatsanwaltschaft zum Schutze des Bürgers (Procuradoria Federal dos Direitos do Cidadão) in der vergangenen Woche in der Hauptstadt Brasília eine Sonderarbeitsgruppe mit dem Namen "Mega-Events und angemessenes Wohnen" gegründet, um die Vorgänge rund um die Fußball-WM aus der Nähe zu verfolgen.

Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft hat sich bereits im vergangenen Jahr mit politischen Instanzen teils heftige Auseinandersetzungen geliefert. Im Bundesstaat Pará hatte die Anklagebehörde etwa mehrere Baustopps gegen den Megastaudamm Belo Monte in Amazonien per Eilverordnung verfügt. Die damalige Regierung unter Luiz Inácio "Lula" da Silva versuchte die

Anweisungen mit verschiedenen, teils auch illegalen Maßnahmen zu verhindern. Ebenso hatte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro im vergangenen Dezember Anklage gegen das Stahlwerk von ThyssenKrupp wegen Umweltverschmutzung und Gesundheitsgefährdung der Anwohner erhoben. Den verantwortlichen Managern drohen bis zu 19 Jahre Haft.

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