200 Paramilitärs dringen in Humanitäre Zonen im Nordwesten Kolumbiens ein

agc_bajo_atrato_3.png

Die Paramilitärs sind in Lastkraftwagen gekommen, die alle Militär- und Polizeikontrolle passiert sind
Die Paramilitärs sind in Lastkraftwagen gekommen, die alle Militär- und Polizeikontrolle passiert sind

Bajo Atrato, Kolumbien. Die Alarmglocken läuten in Gemeinden der Region Bajo Atrato im nordwestlichen Urabá wegen des massiven Einmarsches von Paramilitärs der "Gaitán-Selbstverteidigungsgruppen" (AGC) seit Ende vergangener Woche. Am Montag sollen sogar 200 Männer mit Langwaffen, Militäruniformen und Armbändern der AGC durch mehrere Gemeinden von Jiguamiandó gezogen sein, informiert die Ökumenische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (CIJP). Sie kämen, um die Guerilla Nationale Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN) zu vertreiben, kündigten die Paramilitärs an. Vor einigen Tagen hatten sie Landaktivisten und ihre Unterstützer zu ELN-Verbündeten deklariert.

Die jüngsten Aktionen der AGC folgen einem dreitägigen bewaffneten Streik der ELN in der Region. Die Paramilitärs seien in Lastkraftwagen gekommen, die alle Militär- und Polizeikontrollen passierten, berichtet die CIJP. Ein Militärangehöriger, der anonym bleiben wollte, hätte bestätigt, dass Offiziere des Infanteriebataillons 54 die AGC unterstützen. Generell sei die Stärkung der Paramilitärs in Bajo Atrato (Urabá) in den letzten drei Jahren "auf die Duldung, Untätigkeit und Wirkungslosigkeit der Sicherheitskräfte" zurückzuführen, klagt die CIJP.

Das Militär selbst hat in Bajo Atrato Angst verbreitet, als die Luftwaffe Ende 2018 die neben einer Humanitären Zone liegenden Felder intensiv bombardiert hat. Bisher ist nicht klar, welches militärische Ziel die Luftwaffe verfolgte. Die militärischen und paramilitärischen Aktionen könnten Vertreibungen hervorrufen.

Tatsächlich befürchtet die CIJP, dass die jüngsten Einmärsche der AGC zu einer massenhaften Vertreibung der Bewohner der kollektiven Ländereien von Jiguamiandó und Curvaradó führen könnten. Die AGC-Männer selbst hätten verkündet, dass die Bevölkerung wegziehen müsste, wenn dies für den Kampf gegen die ELN nötig sei. Laut Quellen der CIJP plane die AGC Morde an mehreren Bauernaktivisten der Region,  die sich für die Rückgabe geraubter Ländereien einsetzen, sowie gegen den Menschenrechtler der CIJP, Danilo Rueda. Bereits am 14. Februar haben die AGC den Landaktivisten Martin Barrios ermordet.

Die AGC sollen außerdem verkündet haben, dass sie Ländereien denjenigen geben würden, "die den Fortschritt bringen". Damit seien die Unternehmer gemeint, die in Bajo Atrato vom Landraub profitieren, so die CIJP. Diese hätten Verbindungen zu kriminellen Strukturen sowie Geschäfte in der Agroindustrie, dem Kokaanbau, der Viehzucht und dem Bergbau in Bajo Atrato.

Darüber hinaus hieß es seitens CIJP, dass die Funktionäre, die für die Landrückgabe in Curvaradó verantwortlich sind, von ihren Posten abgesetzt worden seien, weil sie ihre Arbeit gemacht haben. Gleichzeitig weigert sich der lokale Ombudsmann, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen, weil er "die paramilitärischen Operationen nicht bestätigen konnte". Ebenso ignoriere der Staat die Anordnung des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Landaktivisten der Region zu beschützen.

Vertreibung und Landraub sind in Bajo Atrato nicht neu. Die Gemeinden von Indigenen, Afrokolumbianern und Mestizen der Region kämpfen seit fast zwanzig Jahren für ihre kollektiven Ländereien, aus denen sie um die Jahrhundertwende durch die extreme Gewalt der damaligen Paramilitärs herausgeworfen worden waren.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr