Duvaliers gefährliche Rückkehr nach Haiti

Ehemaliger Diktator reist im Schatten der Tunesien-Krise nach Haiti ein. Innenpolitische Folgen unklar. "Baby Doc" muss sich Gerichten stellen

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Foto von Duvalier auf der Gangway
Macht Schlagzeilen: Duvaliers Rückkehr, hier in einem Bericht der "BILD"-Zeitung

Port-au-Prince. Am Sonntagabend ist der frühere haitianische Diktator Jean Claude Duvalier nach 25 Jahren im Exil überraschend in den Karibikstaat zurückgekehrt. "Baby Doc", wie der ehemalige Machthaber genannt wird, reiste in Begleitung seiner Lebensgefährtin Veronique Roy in sein Geburtsland ein. Der 59-jährige, der im Alter von nur 19 Jahren im April 1971 das Amt des "Präsidenten auf Lebenszeit"  nach dessen Tod von seinem Vater Francois "Papa Doc" Duvalier übernommen hatte, äußerte sich bei seiner Ankunft auf dem Internationalen Flughafen Toussaint Louverture mit kargen Worten: "Ich bin gekommen, um Haiti in dieser Krise zu helfen."

Dass er mit seiner unangekündigten Reise die Krise eher verschärfen als entspannen wird, dürfte nicht nur ihm klar sein. Auch Frankreich, das ihn problemlos hat ausreisen lassen, dürfte sehr genau wissen, welch polarisierende Wirkung seine Rückkehr nach Haiti haben wird. Das Land befindet sich in einer extrem aufgeladenen Situation, in der das Wahlergebnis  vom Ende November immer noch nicht offiziell bekannt gegeben wurde, in der unklar ist, wer zu welchem Zeitpunkt zu einer Stichwahl antreten wird, ob eine solche überhaupt stattfinden wird, und wann der noch amtierende Präsident René Préval zurücktreten wird.

Vorgesehen ist eigentlich der 7. Februar,  jener Tag, an dem "Baby Doc" vor 25 Jahren Hals über Kopf mit gefülltem Sack und engstem Pack eine US-amerikanische Militärmaschine bestieg, um sich vor der wütenden Menge zu retten.

Ähnlichkeiten mit der einige Tage zurück liegenden Flucht des tunesischen Diktators Ben Ali drängen sich auf. Ein von einem veritablen Volksaufstand vertriebener Autokrat packt seine Koffer und ein paar Goldbarren, um sein Heil in Frankreich zu suchen, das ihm noch wenige Tage zuvor Unterstützung bei der Wiederherstellung der Ordnung angeboten hatte. Massiven Demonstrationen der in Frankreich lebenden tunesischen Gemeinschaft – immerhin rund 800.000 Menschen – und einer geschlossenen Ablehnungsfront der Oppositionsparteien ist es zu verdanken, dass die französische Regierung keine Landeerlaubnis erteilt, so dass der flüchtige Ben Ali nach Saudi-Arabien ausweichen musste. Ein Teil seiner Familie freilich befindet sich noch in Frankreich.

Möglicherweise hat Duvalier das entstandene Chaos um die Tunesienkrise ausgenutzt, um ungehindert ein Linienflugzeug nach Port-au-Prince zu besteigen. Der Zeitpunkt ist von seiner Warte aus optimal gewählt. Die beiden Spitzenkandidaten für eine eventuelle Stichwahl, Mme Mirlande Manigat und der Sänger Michel Martelly, dürften keine Einwände gegen eine Rückkehr des Ex-Diktators vorbringen, sie standen dem Duvalier-Regime nie sehr fern.

Schon seit Monaten wurden in Haiti auf Grund verbreiteter Frustration über eine ineffiziente Staatsführung Stimmen laut, die eine Rückkehr zu vergangenen Verhältnissen forderten. Dabei ging es nicht ausschließlich um den im südafrikanischen Exil sitzenden ehemaligen Präsidenten Jean Bertrand Aristide, sondern eben auch um den damals vom Volk vertriebenen Duvalier.

Zunächst einmal muss sich "Baby Doc" jedoch vor einem Gericht für die ungezählten Menschenrechtsverbrechen während seiner Regierungszeit und die aus dem Staatshaushalt geraubten Millionen Dollar verantworten.

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