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27.04.2011 Mexiko / Menschenrechte

Mexiko: Bekannter Menschenrechtler ermordet

Javier Torres Cruz von Paramilitärs im Bundesstaat Guerrero ermordet. Drohung für Aktive gegen Großgrundbesitz, Drogenhandel und Militarisierung
Von Paramilitärs ermordet: Der Ökobauer und Menschenrechtler Javier Torres Cruz (hier bei einer Untersuchung)

Von Paramilitärs ermordet: Der Ökobauer und Menschenrechtler Javier Torres Cruz (hier bei einer Untersuchung)

La Morena, Mexiko. Der bekannte mexikanische Ökobauer und Menschenrechtler Javier Torres Cruz wurde am 18. April ermordet. Eine Gruppe von 30 Maskierten, die teilweise Militäruniform trugen, legte dem Bauern einen Hinterhalt in der Nähe seiner Gemeinde La Morena, folterte und erschoss ihn. Sein 8-jähriger Sohn war Zeuge des Attentats. Bei der Auseinandersetzung, bei der etwa 300 Schüsse fielen, wurde auch ein Bruder von Torres Cruz durch zwei Schüsse verletzt. Die Leiche des Menschenrechtlers wies Verstümmelungen auf, die vermutlich eine Warnung für alle Überlebenden in der Region darstellen sollen. Denn der Ermordete war und ist ein Symbol für den Widerstand gegen die Allianz aus Großgrundbesitzern, Drogenhändlern und Militärs, welche weite Teile von Guerrero mit eisener Faust regieren.

Javier Torres Cruz gehörte zur Bauernvereinigung der Sierra von Petatlán an, welche sich Ende der Neunziger Jahre zum Ziel setzte, dem Raubbau an den Wäldern der Sierra durch den lokalen Kaziken Rogaciano Alba Álvarez ein Ende zu setzen. In dieser Auseinandersetzung sind, gemäß dem Arzt Raymundo Díaz vom Komitee gegen Folter und Straflosigkeit, mindestens 60 Personen ermordet worden. Viele Dörfer sind halb leer oder vollständig verlassen, da der Terror zu viele Opfer kostete. Seit mehreren Jahren ist das lukrative Geschäft des Drogenhandels hinzugekommen. Der ehemalige PRI-Bürgermeister von Petatlán, Rogaciano Alba Álvarez, sitzt seit einem knappen Jahr wegen seiner Drogengeschäfte in Haft. Die Morde an den Bauern der Region hingegen wurden bisher nicht untersucht.

Javier Torres Cruz hatte 2008 Alba Álvarez im Fall Digna Ochoa angezeigt, der internationales Aufsehen erregt hatte. Die Menschenrechtsanwältin Digna Ochoa Plácido wurde 2001 in ihrem Büro in Mexiko-Stadt ermordet. Die Anwältin war zuletzt in der Region von Petatlán aktiv gewesen, wo sie sich der Verteidigung der Ökobauern annahm. Die Untersuchungsbehörden konstruierten aus dem Attentat mit Kampfspuren einen Suizid. Die Familie Ochoas glaubte den Behörden nie. Mit der Aussage von Javier Torres Cruz gewann der Fall ein neues Element, die aufwändig konstruierte Selbstmord-These schien zusammenzufallen.

Seit seiner Zeugenaussage war Javier Torres Cruz Verfolgungen ausgesetzt. So wurde er im Dezember 2008 entführt. Nach mehreren Tagen konnte er in einem Moment der Unaufmerksamkeit fliehen. Seit diesem Zeitpunkt befahl die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) den mexikanischen Behörden, Schutzmaßnahmen für das Leben von Javier Torres Cruz und das seiner Familie aufzustellen, was die Behörden jedoch verweigerten. Vergangenes Jahr fiel ein Militärkonvoi über die Gemeinde La Morena her. Ein Verwandter von Torres Cruz starb, sein 78-jähriger Großvater und ein weiterer Dorfbewohner wurden gefoltert und befinden sich seither in Haft.

In der bergigen Region von Guerrero macht das mexikanische Militär gemeinsame Sache mit der organisierten Kriminalität. Als Folge der Militarisierung und der Aufstandsbekämpfung der Guerillas in den 1970er Jahren kam der Anbau des Opiums und der Drogenhandel in der Region in Schwung. Der Bundesstaat Guerrero mit seinem weltbekannten Touristenmagneten Acapulco wird seit sechs Jahren von der sozialdemokratischen PRD regiert, ohne erkennbare Verbesserung der Menschenrechtslage. Am 1. April übernahm Ángel Aguirre Rivero die Geschäfte des Gouverneurs. Derselbe Aguirre war schon Ende der Neunziger Jahre vorübergehend Gouverneur, damals für die PRI.

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