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Ecuador: Urteil gegen Chevron bestätigt

US-Ölkonzern soll 18 Milliarden Entschädigung zahlen. Unternehmen beschuldigt Justiz. Betroffene sehen Beweis für massive Umweltzerstörung

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Die giftigen Hinterlassenschaften der Ölförderung in Ecuador
Die giftigen Hinterlassenschaften der Ölförderung in Ecuador

Lago Agrio, Ecuador. Der US-Ölkonzern Chevron muss 18 Milliarden Dollar Entschädigung für die massive Zerstörung der Umwelt im ecuadorianischen Regenwald zahlen. Diese Summe bestätigte nun ein Berufungsgericht in der ecuadorianischen Stadt Lago Agrio. Der Gerichtshof der Provinz Sucumbíos im Nordosten des Landes folgte damit der Entscheidung einer unteren Instanz aus dem Februar vergangenen Jahres. Damals war das Unternehmen zu einem Schadensersatz von 8,6 Milliarden Dollar verurteilt worden, der sich verdoppeln sollte, wenn sich Chevron nicht entschuldigt. Zudem sollen zehn Prozent der Summe als sofortige Entschädigung an die Gemeinden gezahlt werden.

Statt sich für die massiven und gut dokumentierten Zerstörungen durch die Ölförderung der Jahre 1964 bis 1990 durch den mit Chevron zusammengeschlossenen Konzern Texaco zu entschuldigen, wies das Unternehmen den Richterspruch als illegitim zurück. Gleichzeitig beschuldigte das es in einer offiziellen Stellungnahme die ecuadorianische Justiz mit scharfen Worten: "Die Entscheidung ist ein erneutes Beispiel für die Politisierung und die Korruption der ecuadorianischen Justiz, unter der dieser betrügerische Fall von Anfang an gelitten hat." Das Unternehmen schreibt weiter, dass das Urteil durch Bestechung, Einflussnahme und Einschüchterung zustande gekommen sei. Pikant an der Sache ist, dass das Verfahren deshalb in Ecuador stattfindet, weil Texaco dies einst gefordert hatte.

Ecuadors Präsident Rafael Correa sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Andes, er sei glücklich, dass mit der Bestätigung des Urteils der Gerechtigkeit genüge getan worden sei. Zu den Anschuldigungen gegenüber der ecuadorianischen Justiz wollte er sich nicht äußern. Die Betroffenen, die sich in der Frente de Defensa de la Amazonia zusammengeschlossen haben, schrieben in einer ersten Reaktion, dass die Entscheidung ein weiterer Beweis der außergewöhnlichen Habgier und des kriminellen Verhaltens von Chevron in Ecuador sei. In der Organisation sind die sechs wichtigsten indigenen Völker des Amazonas-Regenwalds (Cofán, Huaorani, Kichwa/Quichua, Secoya, Shuar und Siona) sowie Bauern der Region zusammengeschlossen.

In der Stellungnahme heißt es weiter: "Die Entscheidung gründet sich auf überwältigende wissenschaftliche Beweise, die im Verfahren vorgebracht wurden. Diese weisen nach, dass Chevron bewusst mit massenhaften giftigen Abfällen das Wasser im Amazonas-Regenwald verschmutzt, indigene Völker dezimiert, sowie den Ausbruch von Krebs und anderen Krankheiten zu verantworten hat, die weiterhin Tausende von Unschuldigen betreffen." Chevron hat angekündigt, weiter gegen das Urteil vorzugehen. Investoren in den USA erwarten nach Angaben von Bloomberg Buisnessweek, dass das Urteil das Unternehmen kaum etwas kosten werde. Es besitze kaum noch noch Sachwerte in Ecuador.

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