Paramilitärs in Kolumbien befehlen Stillstand

Hauptstädte und Dörfer in sechs Bundesstaaten im Nordwesten Kolumbiens lahm gelegt. Große Sorge wegen wachsender Macht der Paramilitärs

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Kolumbianische Paramilitärs
Kolumbianische Paramilitärs

Urabá, Kolumbien. Die paramilitärische Gruppe Los Uribeños hat vergangene Woche einen bewaffneten Streik im westkolumbianischen Gebiet Urabá erklärt. Grund dafür sei die Hinrichtung ihres Anführers Juan Usuaga, auch bekannt als "Giovanni", durch die Polizei. Laut dem Landwirtschaftsminister Juan Camilo Restrepo ist die laufende Rückgabe von Grundstücken an Vertriebene eine weitere Ursache.

Händler und Transportunternehmer von sechs Bundesstaaten erhielten Flugblätter, in denen unter Todesdrohung befohlen wurde, ihre Aktivitäten einzustellen. So wurden große Teile der Departamentos Antioquia, Chocó, Magdalena, Córdoba, Cesar und Sucre still gelegt. Die Urabeños verbrannten über ein Dutzend Fahrzeuge und töteten zwei Händler.

Nach der beträchtlichen Aufregung über die Aktionen der Paramilitärs in den Medien verkündete Präsident Manuel Santos einen Generalangriff gegen sie. Der Regierungschef setzte eine Belohnung in Höhe von vier Milliarden Pesos (etwa 1,5 Millionen Euro) für Informationen aus, die zur Festnahme des Chefs der "kriminellen Bande" verhelfen. Behördliche Quellen teilten mit, dass diese gezielten Morde an Angehörigen der Polizei in Antioquia planten. In den letzten Tagen wurden über 20 vermeintliche Mitglieder der Urabeños verhaftet. Oppositionelle zweifeln jedoch daran, dass Paramilitärs und Polizei beziehungsweise Militär sich ernsthaft bekämpfen. Es sei eine Tatsache, dass die paramilitärische Gruppe bisher gar keine Polizei- oder Militäreinheiten angegriffen hätte, bemerkte der Aktivist José Antonio Gutiérrez.

Die Machtdemonstration der paramilitärischen Gruppe sei das Ergebnis der Massaker und gezielten Morde der letzten 20 Jahre, versichert der Kolumnist von El Espectador, Sergio Otálora. Sie seien in den Regionen mit staatlicher Unterstützung erfolgt. Kritiker bemängeln, dass die Regierung Santos bewaffnete Strukturen wie die Urabeños als neue kriminelle Banden (Bacrim) behandle, die völlig getrennt vom Militär und Staat funktionieren. Die Zusammenarbeit dieser Gruppen mit dem Militär, der Polizei und den Sicherheitsorganen bestehe selbst nach der angeblichen Entwaffnung der Paramilitärs fort, erklärte Otálora weiterhin. Dies bestätigen Aussagen von Staatsanwälten der betroffenen Bundesstaaten, so ein Bericht von Human Rights Watch aus dem Jahr 2010. Offiziell wird geschätzt, dass die paramilitärischen Strukturen über mehr als 10.000 bewaffnete Männer verfügen.

Die Beseitigung der Paramilitärs benötige viel mehr als polizeiliche Maßnahmen, sagte der Experte Álvaro Villaraga gegenüber der BBC. Bei den staatlichen Institutionen müsse eine gründliche Säuberung vollzogen werden.

Auch in anderen Gebieten des Landes sind die Paramilitärs mächtig. In Lejanías im südlichen Bundesstaat Meta folterten und töteten sie unlängst eine Landarbeiterin. Ebenso hat die paramilitärische Gruppe "Los Rastrojos" Ende Dezember nahe der ecuadorianischen Grenze sieben Indigene der Awa entführt. Drei Minderjährige wurden dabei vergewaltigt und eine indigene Frau ermordet. Der zerstückelte Körper eines indigenen Anführers wurde zur selben Zeit in dieser Zone in einem Grab gefunden.

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