Kolumbien: Kampf gegen Megaprojekt in Huila

Bevölkerung will den Bau eines privaten Staudamms stoppen. Regierung unterstützt Konzern

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Transparent der Streikenden: "Wir wollen nicht durch die Regierung und Emgesa vertrieben werden"
Transparent der Streikenden: "Wir wollen nicht durch die Regierung und Emgesa vertrieben werden"

Gigante, Kolumbien. Über 1.000 Einwohner des südlichen Bundestaats Huila in Kolumbien streiken seit vergangenen Dienstag gegen den Bau des Staudamms El Quimbo. Das Wasserkraftwerk ist eines der größten Megaprojekte, das sich zur Zeit in Kolumbien in Konstruktion befindet. Es wird durch den spanischen Konzern Emgesa gebaut. Die Vereinigung der Einwohner von Asoquimbo prangert an, dass die vorgesehene Flutung von 8.500 Hektar Ackerland und Naturreservaten das Ökosystem und die Überlebensmöglichkeiten von tausenden Bauern und Fischern vernichte.

Die Bauern befürchten, dass durch den Bau von El Quimbo 10.000 Menschen vertrieben werden können. Damit würde die lokale Lebensmittelproduktion im Wert von 32 Milliarden Pesos (etwa 13 Millionen Euro) pro Jahr vernichtet, so der Universitätsdozent Miller Dussán. Ein Teil davon wird zur Zeit von acht gemeinschaftlichen Unternehmen produziert, die während der Landkämpfe der Bauern in den siebziger und achtziger Jahren gegründet wurden.

Auch die kommunalen Wege, die die Gemeinden verbinden, würden verschwinden. Die Brücke Paso el Colegio wurde bereits durch Emgesa zerstört. Deshalb besteht zu den westlichen Gemeindebezirken Huilas aktuell über Land keine Verbindung. Da dies die lokale Ökonomie erheblich beeinträchtigt, fordert Asoquimbo ihren sofortigen Wiederaufbau.

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Demonstration gegen das Megaprojekt El Quimbo
Demonstration gegen das Megaprojekt El Quimbo

Seit 2009 seien die Bauern durch die Androhung von Enteignungen genötigt worden, ihre Ländereien an Emgesa zu verkaufen, so Dussán. Die spanische Firma agierte dabei mit Unterstützung der Regierung Uribe. Diese hatte dem spanischen Unternehmen im Jahr 2009 die Lizenz erteilt, um das Wasserkraftwerk zu bauen. Dazu gehörte, dass die Gebiete als gemeinnützig erklärt wurden. Somit wurde der Staat bemächtigt, über das Territorium frei zu verfügen.

Nach intensiven Protesten der Einwohner hatte das Umweltministerium im Juni 2011 angeordnet, dass Emgesa mit dem Grundstückskauf in der Region aufhören musste. Fünf Monate später hat die Regierung Santos diese Verordnung jedoch wieder aufgehoben.

Laut dem Präsident von Emgesa, Pablo Rubio, hat sein Unternehmen schon 7.000 Hektar Land gekauft. Asoquimbo erklärt dennoch, dass es keinen seriösen Plan gebe, um die Grundbesitzer umzusiedeln. Die Bauern dürften zwar auf ihren ehemaligen Ländereien bleiben, aber nur mit einem Leihvertrag. Die Einschränkungen und Pflichten dieser Verträge wandelten sie allerdings in eine Art von Wächtern der Landstücke. Zum Beispiel dürften sie nicht frei entscheiden, was sie anbauen, so Asoquimbo.

Die Vereinigung der Einwohner verlangt von der Regierung, die Lizenz von Emgesa aufzuheben. "Die Kolumbianer haben kaum einen Nutzen von El Quimbo, denn der Strom wird meistens nach Süd- und Mittelamerika exportiert", versichert der Gemeinderat des Bezirks Gigante Rolando Botello.

Über den Abbruch des Staudammbaus hinaus will Asoquimbo das Gebiet als bäuerliche Schutzzone konstituieren. Diese gesetzliche Figur gewährt den Einwohnern eines Territoriums rechtlichen Schutz und ermöglicht ihre Selbstbestimmung auch hinsichtlich der lokalen Landwirtschaft. Dazu haben sich die nationalen Behörden bisher nicht geäußert.

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