Neue Privatarmee im Norden Kolumbiens

Organisierung neuer paramilitärischer Gruppen nach Landrückgabe an Kleinbauern. Finanzielle Unterstützung durch lokale Machthaber

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Kolumbianische Paramilitärs
Kolumbianische Paramilitärs

Valledupar. Im kolumbianischen Bundesstaat Cesar hat sich nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Nuevo Arcoiris eine neue paramilitärische Einheit gebildet.

Der Leiter von Nuevo Arcoiris, Ariel Ávila, hatte am Mittwoch vergangener Woche über die spanische Nachrichtenagentur EFE mitteilen lassen, dass in dem nördlichen Bundesstaat die unter der Regierung Santos vorsichtig beginnenden Landrückgaben an Vertriebene von neuen bewaffneten Organisationen verhindert werden. Hinter den Paramilitärs, die laut Ávila an die Organisationsformen der Hochphase des kolumbianischen Konflikts in den 1980er und 90er Jahren anknüpften, stünden Großgrundbesitzer, lokale Politiker und Geschäftsleute. Seit November hätte es zwei größere Treffen dieser Allianz gegeben. Ziel sei, bis zum Ende des Jahres mindestens 500 bewaffnete Männer zu organisieren.

Bei den Treffen hätten die Teilnehmer auch über die Höhe des individuellen Beitrags diskutiert. In März soll entschieden werden, ob jeder Beteiligte 1,5 Millionen Pesos (ca. 640 Euro) pro Landbesitz plus einen bestimmten Prozentsatz pro Hektar und Rind für den Start beiträgt. Ávila teilte mit, eine Liste der Personen, die sich bei der Gründung der jüngsten paramilitärischen Gruppe beteiligt haben, an die zuständigen Sicherheitsbehörden des Bundestaates übergeben zu haben.

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Im Bundesstaat Cesar sollen seit den 1990er Jahren rund 200.000 Hektar ihren legitimen Besitzern gewaltsam mit Hilfe von Paramilitärs geraubt worden seien. Die entsprechenden Besitzurkunden verschwanden bei einer Brandstiftung, die der damalige Paramilitär-Chef Rodrigo Tovar befahl. Nutznietzer waren Unternehmer und große Viehzüchter. Legitimitation für ihr Vorgehen suchen sie wie in den vergangenen Jahrzehnten in angeblichen Schutzmaßnahme gegen das Wachstum der FARC-Guerrilla in diesem Bundestaat, erklärte Ávila.

Seit der offziellen Entwaffnung der Paramilitärs fordern die vertriebenen Bauern ihre Landstücke zurück. Als Antwort darauf, verabschiedete Präsident Santos das Gesetz zur Entschädigung der Gewaltopfer und kündigte an, daß bis zum Ende seiner Amtszeit im ganzen Land 160.000 Hektar zurückgegeben werden. In den letzten anderthalb Jahren wurden jedoch nur 1,7 Prozent der angestrebten Fläche tatsächlich zurückgegeben.

Die 14 ermordeten Bauernaktivisten der letzten anderthalb Jahre bestätigen, so Vertreter von sozialen Organisationen, dass die geplante Landrückgabe scheitern wird, solange die Regierung nichts gegen die Verbindungen zwischen den lokalen Eliten, Justizbeamten, Militärs und Paramilitärs unternimmt.

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