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27.02.2012 Kuba / USA / Politik

Neue Details zu US-Spionage gegen Kuba

Nachrichtenagentur AP veröffentlicht Auszüge aus internen Berichten des in Kuba inhaftierten US-Bürgers Alan Gross. Position Kubas bestätigt
Wegen Spionage verurteilt: Alan Gross

Wegen Spionage verurteilt: Alan Gross

Quelle: flickr.com
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Havanna/Washington. Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hat überraschend Auszüge aus mehreren bislang unbekannten Reiseberichten des in Kuba inhaftierten US-Bürgers Alan Gross veröffentlicht, mit denen die Position der kubanischen Justizbehörden gestützt wird. Gross war 2009 wegen der Einfuhr von Spionagegerät nach Kuba inhaftiert und später zu einer 15-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. In den Berichten an die halbstaatliche US-Entwicklungshilfeagentur USAID, in deren Auftrag Gross handelte, zeigte sich der 62-Jährige besorgt über die möglichen Folgen seines Handelns. "Die Aufdeckung der Satellitensignale wäre eine Katastrophe", zitiert AP aus den Schreiben. "Wir alle spielen mit dem Feuer", sagt ein Empfänger der Hightech-Ausrüstung in den Berichten, die der AP zugespielt wurden.

Gross war vor einem Jahr in Kuba wegen "Verbrechen gegen den kubanischen Staat" zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Entgegen der internen Kommunikation mit USAID stellte er sich im Verfahren als schuldlos dar. Er sei nicht über die staatsfeindlichen Absichten der USAID informiert gewesen, in deren Auftrag er handelte.

Auch die USAID und andere US-Behörden versuchten die Wogen nach der Inhaftierung des US-Bürgers zu glätten. Gross habe die Kommunikationstechnik lediglich zur Unterstützung der jüdischen Gemeinde nach Kuba gebracht, hieß es von dieser Seite. Diese Darstellung wurde jedoch von keiner der drei Gemeinden in Havanna bestätigt.

Gross hatte im Laufe von fünf Reisen umfangreiche Hightech-Kommunikationsmittel nach Kuba geschmuggelt und vorgegeben, er sei Mitglied einer jüdischen Hilfsorganisation. In Kuba wurde er enttarnt, als er bei seiner fünften Einreise "einen speziellen Handy-Chip einschmuggeln wollte, der laut Experten häufig vom Pentagon und der CIA benutzt wird, um die Verfolgung von Satellitensignalen beinahe unmöglich zu machen”, schreibt AP-Korrespondent Desmond Butler.

Die Firma von Gross, JBDC Inc., habe sich auf die Installation von Internetzugängen in Ländern wie Irak und Afghanistan spezialisiert, heißt es in dem AP-Bericht weiter. Sie sei von dem Unternehmen Development Associates International Inc. mit Sitz im US-Bundesstaat Maryland angeheuert worden. Dieses Unternehmen wiederum verfüge über einen mehrere Millionen US-Dollar umfassenden Projektvertrag mit USAID, um Kubas Informationssysteme mittels "technologischer Zugänge mit Telefonkapazitäten, Satelliten-Internet und Handys zu überwinden."

Dies sei Teil eines umfassenden USAID-Programms zur "Förderung von Demokratie" in Kuba. Im Jahr 2008 standen dafür 45 Millionen US-Dollar zur Verfügung, 2011 waren es rund 20 Millionen US-Dollar. Gross erhielt für seine Arbeit offenbar eine halbe Million US-Dollar. Diese vertragliche Konstruktion offenbart eine Taktik der US-Regierung, bestimmte außenpolitische Aktivitäten an Privatunternehmen auszulagern, um – wie im Falle Gross – nicht direkt mit den Projekten in Verbindung gebracht werden zu können.

In einem Statement vor Gericht bekundete Gross seine Unschuld und sagte: "Es tut mir sehr leid, ein vertrauensvoller Narr gewesen zu sein. Ich wurde getäuscht und ausgenutzt."

Bei einem Besuch in Kuba setzten sich zwei führende US-Senatoren vergangene Woche für Gross’ Freilassung ein. Sie boten an, ihn gleich in ihrem Flugzeug mitzunehmen. Staatschef Raul Castro aber machte klar, dass eine baldige Freilassung nicht in Frage kommt.

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