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Weltmacht Google vs. mexikanische Drogenkartelle

Der Internetkonzern Google will im Drogenkrieg "auf der richtigen Seite" stehen und sieht den Konzern als kommende Weltmacht der Verbrechensbekämpfung

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Googles Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt will "die richtige Seite" im Drogenkrieg technologisch aufrüsten
Googles Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt will "die richtige Seite" im Drogenkrieg technologisch aufrüsten

Westlake Village, Kalifornien. Der Internetkonzern Google Inc. hat auf einem Kongress in Los Angeles seine Unterstützung

im Kampf gegen Mexikos Drogenkartelle angekündigt. Die Menschen hätten nicht nur den Kampf gegen die Drogen verloren, sondern auch ihre Hoffnung, sagte der Vorstandvorsitzende von Google, Eric Schmidt, während der von dem Konzern selbst gesponserten Tagung über illegale Netzwerke. Die universelle Waffe sie zu beschützen sei die Technologie, so Schmidt weiter.

Das Unternehmen plane unter anderem die Errichtung eines Netzwerkes, das der Bevölkerung die Möglichkeit geben soll, Kartelloperationen zu melden, ohne dabei ihr Leben in Gefahr zu bringen. Dazu solle eine öffentliche Internetplattform entwickelt werden, auf der Informationen, Namen und Aktivitäten über Kartelle anonym ausgetauscht werden könnten.

In Mexiko, würde aus Misstrauen gegenüber den Sicherheitsbehörden und Angst vor den potentiellen Folgen nur 20 Prozent aller Verbrechen gemeldet, berichtete der mexikanische Innenminister Alejandro Poire während der Konferenz. Die Gewährleistung der Anonymität sei daher essenziell. Ein ähnliches System soll die Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte verschiedener Regionen verbessern, indem das Teilen von Informationen in Echtzeit ermöglicht wird.

Sicherheitsexperten berichteten auf der Konferenz von Mapping-Applikationen mit denen Kartelle von professionellen Kontrollanlagen aus Polizeieinheiten lokalisieren könnten. Ferngesteuerte U-Boote sowie Raketenwerfer würden ebenfalls zur Ausstattung der Kartelle gehören. Der Drogenkrieg sei ein technologischer Machtkampf, bei dem derzeit die Kartellen in Führung sind, sagte der Gründer des Think Thanks Future Crimes, Marc Goodman.

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Während der hochrangig besetzten Konferenz "Illicit Networks: Forces in Opposition" kündigte der Vorstand des Google-Konzerns nach Informationen des britischen Guardian zudem an, sich in Zusammenspiel mit Interpol und anderen Sicherheitsagenturen zur "Weltmacht" (global force) gegen organisiertes Verbrechen, Repression und Terrorismus zu entwickeln. Über das Internet Öffentlichkeit für Menschrechtsverbrechen und Kriminalität herzustellen, sei nicht genug. Google, müsse "die richtige Seite" technologisch mit mehr Macht ausstatten. "Menschen denken, dass das Aussprechen und Anprangern die Dinge ändert", so Eric Schmidt, "aber externer Druck kann nur selten Organisationen und Staaten reparieren".

Auch der Direktor des konzerneigenen Think Thanks Google Ideas und ehemaliges Mitglied des Policy Planing Staff des US-Außenministeriums, Jared Cohen, bekräftigte auf der Konferenz, dass Technologie-Konzerne Menschen an der "Frontlinie" helfen sollten, indem sie ihre Bedürfnisse vorhersehen. "Google-Nutzer sind zunehmend Menschen in schwierigen Bedingungen", so Cohen. Es sei deshalb sinnvoll, die Initiative zu ergreifen: "Zumal es keinen Mangel an Menschen gibt, die bereit sind, für dich zu arbeiten".

Der Think Thank Google Ideas wurde 2010 gegründet, um gewalttätigen Extremismus durch Entradikalisierungsstrategien entgegenzuwirken. Nun soll der Aufgabenbereich des Think Thanks neben der Bekämpfung von Terrorgruppen auch auf sogenannte illegale Netzwerke ausgeweitet werden.

"Am Ende ist eine vernetzte Welt eine freie Welt", sagte Schmidt vor den Konferenzteilnehmern, zu denen neben dem Generalsekretär von Interpol, Ron Noble, auch der Waffenhändler Ian Biddle, der ehemalige Leiter der US-amerikanischen Heimatschutzbehörde, Michael Chertoff, das Vorstandsmitglied der Credit Suisse, Anthoney DeChellis, und der Sohn von Pablo Escobar, Juan Pablo Escobar, zählten. 

Ganz allein auf eine effizientere Nutzung von Informationen will sich aber auch Googles Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt nicht verlassen: "Am Ende denke ich, dass es wirklich schlechte Menschen gibt". In diesem Fall müsse man "reingehen, sie festnehmen und umbringen".

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