International

Meinungswechsel in Bogotá

Kolumbianischer Präsident will jetzt doch mit der FARC über Gefangene verhandeln

Bogotá. Der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe hat am Freitag der linken Guerrilla der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) eine Zone angeboten, wo man sich treffen könnte, um über einen Gefangenenaustausch zu verhandeln. Die FARC verlangt die Entmilitarisierung der Orte Pradera und Florida, die im Südosten des Landes liegen. Uribe hingegen bietet ein unbewohntes Gebiet von 150 Quadratkilometern Größe an.

Der Vorschlag ist nicht neu: Bereits die Katholische Kirche hatte diese Option mit der FARC besprochen, wie auch die so genannten befreundeten Staaten Frankreich, Spanien und die Schweiz. Deren Angebot umfaßte eine 200 Quadratkilometer große Zone, in denen die beiden von der Guerrilla verlangten Orte liegen. Uribe akzeptierte seinerzeit nahm diesen Vorschlag.

Jetzt verlangt der Präsident eine unbewohnte Gegend, aus der auch keine Soldaten und Polizisten abziehen müßte. Die Zone stünde unter der Kontrolle von internationalen Beobachtern. Während der Dauer von 30 Tagen hätten zu ihr nur Unbewaffnete Zugang.

Mit dem neuen Vorschlag rückt Uribe von seiner starren Haltung, "keinen Millimeter kolumbianischen Territoriums" für das Abkommen mit der FARC freizugeben. Sein Sinneswandel wird der Intervention der Katholischen Kirche zugeschrieben. Im nächsten Schritt soll jetzt der Hohe Gesandte für den Frieden, Luis Carlos Restrepo, mit einem Delegierten der Bischofskonferenz die FARC aufsuchen, um mit ihr die Gebietsfrage zu klären.

Bei den Angehörigen der 45 Personen, die sich in den Händen der FARC befinden, hat Uribes Haltungswechsel neue Hoffnung geweckt. Sie hoffen auf ein Entgegenkommen der Guerrilla. Anfang November hatte Uribe abrupt die Vermittlertätigkeit des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez beendet.

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