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Dritter OPEC-Gipfel in Saudi-Arabien beendet

Streit über politische Rolle des Ölkartells. Chávez warnt USA vor Ölpreisschock. Ecuador wieder Mitglied

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Dritter OPEC-Gipfel in Saudi-Arabien beendet
Chávez und Abdallah in Riad

Riad. Den dritten Gipfel der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) im saudiarabischen Riad am vergangenen Wochenende hat ein Streit über die künftige Strategie des Kartells geprägt. Während sich vor allem der venezolanische Präsident Hugo Chávez für eine größere politische Rolle der OPEC einsetzte, nahm der saudiarabische König Abdallah eine Gegenposition ein. In ihrer Abschlusserklärung hieß es, die Weltmärkte würden auch weiterhin »zuverlässig und ausreichend« mit Öl beliefert.

Das Erdöl, erklärte Hugo Chávez in seiner Eröffnungsrede, »ist die Quelle aller Aggression«. Nicht direkt, aber unterschwellig sei der Kampf um das Erdöl für die Kriege in Irak und Afghanistan verantwortlich. Sollte Washington so »verrückt« sein, Iran oder gar sein eigenes Land anzugreifen, könnte der Ölpreis auf mehr als 200 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) klettern, prophezeite Chávez. Mit der politisch brisanten Eröffnung wandte er sich direkt gegen die Position des Gastgebers, des saudischen Herrschers Abdallah, der in der OPEC nichts weiter als einen Garanten für die Versorgung der Industriestaaten sieht, allen voran der USA. In seiner Entgegnung forderte der Monarch von der OPEC dann auch den »Schutz des Weltmarktes« ein, wo sie »unerwartete Störungen des Ölpreises« entgegenwirken sollte.

Die Auseinandersetzung zwischen dem südamerikanischen Sozialisten und dem saudischen Autokraten bestimmte das Treffen - und war zugleich Ausdruck eines tiefergreifenden Konfliktes in der Erdölorganisation. Chávez' provokativer Auftritt, bei dem er sich vor dem islamischen Gastgeber Abdallah, der auf seinen Beinamen »Hüter der heiligen Stätten des Islam« Wert legt, mehrfach bekreuzigte und auf Jesus Bezug nahm, räumte jeden Zweifel daran aus, dass der Südamerikaner den Konflikt sucht.

Ecuador wieder Mitglied

Spannender als das symbolische Kräftemessen auf dem zweitägigen Gipfel war die neue Bündnispolitik der progressiven Staaten um Venezuela. Sie treten dafür ein, Erdöl zur Entwicklung der Förderstaaten zu nutzen und mittelfristig einen fairen Ausgleich zwischen Produzenten und Konsumenten zu erreichen. Kaum Beachtung fand in den Medien vor diesem Hintergrund der Wiedereintritt des links regierten Ecuador. Der süd-amerikanische Staat war 1992 aus der OPEC ausgetreten. Auch der amtierende Präsident Ecuadors, Rafael Correa, trat dafür ein, »die geopolitische Rolle« der Erdölorganisation zu stärken und erklärte sich mit Chávez Positionierung »zu einhundert Prozent einverstanden«.

Indirekt sprach sich der Wirtschaftswissenschaftler Correa auch für eine Abkehr vom US-Dollar als Leitwährung für die Organisation aus. Wenn die erdölexportierenden Staaten weiter auf einen immer schwächer werdenden US-Dollar setzten, »bedeutet das nichts anderes als ein Transfer unserer Reichtümer in die Staaten mit stabilen Devisenwährungen«. Zuvor hatten sich auch andere OPEC-Mitgliedsstaaten besorgt über den Wertverfall des US-Dollars geäußert. Wegen dessen Schwäche verlieren die Ölstaaten effektiv Geld bei internationalen Geschäften.

Am Rande des Gipfels führte Hugo Chávez zahlreiche Gespräche mit bislang unentschiedenen Mitgliedsstaaten. Mit Algerien und Angola wurden wirtschaftliche Kooperationsabkommen unterzeichnet. Beides sind Staaten, die auf eine starke antikoloniale Tradition zurückblicken. Sie stehen Caracas damit näher als Riad - oder gar Washington.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt finden Sie hier.

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