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11.11.2007 Spanien / Venezuela / Politik

Chávez nennt Aznar einen Faschisten

Der spanische König verläßt vorzeitig den 17. Iberoamerikanischen Gipfel
Chávez nennt Aznar einen Faschisten

Vor Hugo Chávez nimmt der spanische König Reißaus.

Santiago de Chile. Die venezolanisch-spanischen Beziehungen haben am Wochenende einen neuen Tiefpunkt erreicht, nachdem der spanische König Juan Carlos I. vorzeitig und sichtlich erzürnt den 17. Iberoamerikanischen Gipfel in der chilenischen Hauptstadt verlassen hat.

Anlass war die neuerliche Kritik des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez am spanischen Ex-Premier José María Aznar, den er bereits bei der Eröffnung des Gipfels am Freitag mehrmals als "Faschisten" bezeichnet hatte. Auch bei der Abschlussveranstaltung am Samstag griff Chávez auf die wenig schmeichelhafte Bezeichnung zurück. Er leite seinen Vorwurf aus dem Umstand ab, dass Aznar den venezolanischen Putschisten im April 2002 politische Unterstützung hat zukommen lassen, nachdem diese Chávez entführt hatten. Aus demselben Grund übte der venezolanische Staatschef auch harsche Kritik am spanischen Arbeitgeberverband. Dessen Vorsitzender hat vor kurzem erklärt, in Venezuela fehle die Rechtssicherheit für ausländische Unternehmen.

Chávez untermauerte den Faschismusvorwurf, indem er am Samstag von einem Gespräch zwischen Aznar und ihm wiedergab, das im Juli 1999 in Caracas stattfand. Laut Chávez lud der Spanier ihn ein, "dem Klub der Ersten Welt beizutreten, weil wir Öl haben." Aznar machte aber zur Bedingung, dass Venezuela die Beziehungen zu Kuba abbreche. Auf Nachfrage habe der damalige spanische Regierungschef die Lage der armen Länder der Welt mit den Worten "esos se jodieron" kommentiert - "die sind am Arsch".

Daraufhin nahm der spanische Premier José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE) seinen postfranquistischen Amtsvorgänger in Schutz. Als das venezolanische Staatsoberhaupt sich erneut zu Wort meldete, um Zapatero zu antworten, rief der spanische König gut hörbar dazwischen: "Du, warum hälst du nicht endlich die Klappe?" Als der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega für Chávez Partei ergriff, stand der Monarch sichtbar erbost auf und verließ den Gipfel. Schon am Freitag hatte Außenminister Miguel Angel Moratinos seinem venezolanischen Amtskollegen Nicolás Maduro die Verstimmung der spanischen Delegation wegen Chávez' Angriffe auf Aznar mitgeteilt.

Weitere Kritik bekamen die Spanier von Ortega zu hören. Dieser griff den spanischen Energiemulti Unión Fenosa scharf an, der für die schlechte Stromversorgung in seinem Land verantwortlich ist. Außerdem eilte er seinem Verbündeten Chávez nochmals zu Hilfe, indem er die spanische Unterstützung für die US-Luftangriffe auf Libyen 1986 in Erinnerung rief. Kubas Vizepräsident Carlos Lage sagte, Chávez habe das Recht gehabt sich zu verteidigen und erinnerte, dass Aznar "mehrmals die Würde Venezuelas verletzt hat."

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