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Was wusste der "Herr König"?

Nach Eklat auf Gipfeltreffen: Chávez will Aufklärung über Rolle Spaniens bei Putschversuch 2002. Aufruf zur Einheit der Linken auf Gegengipfel

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Was wusste der "Herr König"?
Guckte schon böse bei der Ankunft: Spaniens König Juan Carlos I.

Santiago de Chile. Der Konflikt zwischen dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und dem spanischen König Juan Carlos auf dem Iberoamerika-Gipfel am Wochenende wird ein Nachspiel haben. Zwei Tage nach dem Eklat auf dem Treffen lateinamerikanischer Staaten, Spaniens und Portugals in der chilenischen Hauptstadt Santiago verlangt der venezolanische Staatschef nun Aufklärung über die Rolle Madrids beim Putschversuch in Venezuela im April 2002. Am Ende des ohnehin konfliktreichen Gipfels war es zwischen Chávez und dem Monarch zu einem verbalen Schlagabtausch gekommen, nachdem Venezuelas Präsident den rechtskonservativen Exministerpräsidenten Spaniens, José Maria Aznar, mehrfach als "Faschisten" und "Putschisten" bezeichnet hatte. Das Aznar-Regime hatte die zivil-militärische Junta umgehend anerkannt, die Chávez 2002 kurzzeitig aus der Regierung gedrängt hatte.

Nach dem Disput sei ihm bewusst geworden, so Chávez, daß der König selbst eine führende Rolle in der spanischen Außenpolitik spiele. "Könnte es sein, dass nicht nur Aznar, sondern der König selbst vom Putsch wusste?" so Chávez' eher rhetorische Frage an Journalisten. Dann wandte er sich mit ungewöhnlicher Anrede direkt an den Bourbonenherrscher: "Señor König, antworten Sie, waren Sie in die Putschpläne eingeweiht?" Es sei schwer vorstellbar, so Chávez weiter, dass der Botschafter Madrids die Putschisten unterstützt habe, ohne dass "seine Majestät" ihn dazu autorisiert habe. Eine Antwort des herrschaftlichen Hauses auf die Anklage aus dem ehemaligen Vizekönigreich blieb bislang aus.

Neben dem Konflikt zwischen Chávez und dem König hat das Treffen von 20 Staats- und Regierungschefs wenig Neues gebracht. In einer so genannten Deklaration von Santiago de Chile einigten sich die Teilnehmer in allgemeinen Formulierungen auf die Bekämpfung der drängenden sozialen Probleme in Lateinamerika und der Karibik. In Einzelerklärungen wurde die US-Blockade gegen Kuba, das Problem des Drogenhandels und die Situation der Malvinen-Inseln thematisiert, auf die Argentinien und Großbritannien Anspruch erheben.

Spannendes geschah indes auch auf einem parallel stattfindenden "Gipfel der Völker", zu dem soziale Organisationen eingeladen hatten. In einem Manifest wiesen die rund 8000 Teilnehmer am Samstag auf die führende Rolle der sozialen und politischen Basisbewegungen in Lateinamerika und der Karibik hin. Die Herausforderung sei es nun, die Zusammenarbeit zwischen diesen außerparlamentarischen Bewegungen und den linken Regierungen zu etablieren. Ein großer Teil der politischen Programmatik der Linksregierungen in der Region stamme schließlich aus den sozialen Bewegungen, hieß es in der Erklärung richtig. An der Abschlussveranstaltung des Alternativgipfels nahmen die Präsidenten von Venezuela, Bolivien und Nicaragua, Hugo Chávez, Evo Morales und Daniel Ortega, sowie der kubanische Vizepräsident Carlos Lage teil. Auch Morales rief zur Einheit der Linken auf und erinnerte daran, dass die sozialen Bewegungen nicht nur in seinem Land, Bolivien, eine tragende Rolle spielen.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt finden sie hier.

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