DruckversionEinem Freund senden
19.09.2007 Kolumbien / Venezuela

Chávez lädt die Comandantes ein

Am 40. Todestag Che Guevaras will Venezuelas Präsident Chávez hochrangige Vertreter der kolumbianischen Guerilla treffen.

Porto Alegre. Die "Revolutionären Streitkräfte Kolumbien" (Farc) möchten einen hochrangigen Vertreter zu einem Treffen mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez nach Caracas schicken. Symbolträchtiger Wunschtermin für den Auftritt im Präsidentenpalast Miraflores wäre der 9. Oktober, wenn sich der Todestag der argentinisch-kubanischen Revolutionsikone Che Guevara zum 40. Mal jährt. Dies teilte Raúl Reyes vom Farc-Sekretariat der kolumbianischen Senatorin Piedad Córdoba in einem Guerillacamp mit. Die Tageszeitung El Tiempo und der Radiosender Caracol verbreiteten die Nachricht zeitgleich am Sonntagabend.

Damit gehen die Bemühungen um einen Gefangenenaustausch weiter, an denen Córdoba und Chávez mit ausdrücklicher Billigung von Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe beteiligt sind. Die Farc wollen 45 Geiseln freilassen, wenn die Regierung im Gegenzug über 400 inhaftierte Rebellen entlässt. Nach dem Treffen im Dschungelcamp "am Donnerstag oder Freitag" sei die linke Politikerin weiter nach Caracas gereist, sagte Carlos Lozano, Chef der kommunistischen Wochenzeitung Voz. Lozano verfügt traditionell über gute Kanäle zu den Aufständischen und ist jetzt in sämtliche Demarchen der Senatorin eingeweiht.

Die Kriegsgefangenen könnten sicher sein, dass es zu einer Lösung komme, doch dafür sei Ausdauer nötig, sagte Raúl Reyes, der bekannteste Farc-Sprecher und wahrscheinlichste Kandidat für das Treffen. Chávez solle sich gegenüber acht demokratischen US-Abgeordneten für eine politische Lösung des kolumbianischen Konflikts einsetzen, so Reyes. Zudem regte er ein Treffen des venezolanischen Staatschefs mit Angehörigen dreier US-Söldner an, die sich in der Gewalt der Farc befinden.

Chávez hatte am Sonntag in seiner TV-Show "Aló Presidente" zum dritten Mal innerhalb einer Woche öffentlich seine Bereitschaft bekundet, zu einem Treffen mit dem greisen Farc-Chef Manuel Marulanda Vélez in den kolumbianischen Dschungel nach San Vicente del Caguán zu reisen. Uribe hatte dies mehrfach strikt abgelehnt, weil hierfür ein vorübergehender Abzug der Armee erforderlich wäre. Auf Nachfragen von Journalisten, was er von Chávez' Drängeln halte, hatte er am Samstag genervt reagiert: "Das, was gesagt ist, muss man nicht wiederholen. Bringen Sie mich nicht dazu, zu diesem Thema öffentlich zu reden."

Auch Fabián Marulanda, der Generalsekretär der kolumbianischen Bischofskonferenz, kritisierte den mehrfachen Vorstoß des venezolanischen Sozialisten als unrealistisch. Für Uribe sei es sehr heikel, solche Treffen mit ausländischen Staatschefs auf kolumbianischem Territorium zuzulassen, meinte der Bischof, außerhalb des Landes könnten solche Gespräche aber sehr sinnvoll sein.

Parallel zu den diplomatischen Bemühungen geht der Krieg unvermindert weiter. Nach jüngsten Erfolgen gegen die Farc erklärte General Freddy Padilla de León, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ein militärischer Sieg über die Aufständischen sei nun in Reichweite.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

16.09.2007 Nachricht von Harald Neuber
21.08.2007 Nachricht von Maxim Graubner