DruckversionEinem Freund senden
22.02.2008 Venezuela

1,8 Milliarden US-Dollar für Öl-Multis

Venezuela wird ausländische Öl-Firmen entschädigen

Caracas. Venezuela wird die ausländischen Öl-Firmen Total, Statoil und Eni mit 1,8 Milliarden US-Dollar entschädigen, nachdem der venezolanische Öl-Konzern PDVSA die Aktienmehrheit bei den gemeinsamen Investitionen übernommen hat. Noch nicht abgeschlossen sind die Verhandlungen mit den US-Firmen ExxonMobil und ConocoPhillips.

Die Entschädigungszahlungen ergaben sich, nachdem 2006 ein neues Gesetz über Treibstoffe verabschiedet wurde. Das sah vor, daß PDVSA bei allen Gemeinschaftsprojekten mit ausländischen Investitoren mindestens 60 Prozent der Aktien halten sollte. Im Fall von Total, Statoil und Eni steigt der Anteil von PDVSA an den Aktien von 39,9 Prozent auf 78,3 Prozent. Lediglich die beiden US-Firmen widersetzen sich dem Anliegen. Die Ursache des Streits ist die Höhe der Entschädigung: PDVSA bietet an den Buchwert der Firmenanteile zu bezahlen, die beiden US-Unternehmen bestehen jedoch auf dem Marktwert. ExxonMobil verlangt 5 Milliarden US-Dollar von den Venezolanern, aber PDVSA ist nur bereit, 750 Millionen US-Dollar zu bezahlen.

Die Verfahren laufen vor einem Gericht in London, das der Weltbank angeschlossen ist. Auf Veranlassung von ExxonMobil verfügte es, daß 12 Milliarden US-Dollar von PDVSA-Vermögen im Ausland eingefroren wurde. Gegen diese Maßnahme haben die Venezolaner Widerspruch vor Gerichten in London, New York und auf den Niederländischen Antillen eingelegt. Bisher hat nur eine Bank in New York 315 Millionen US-Dollar des PDVSA-Vermögens eingefroren.

Das Gesamtvolumen aller Ölprojekte im Orinoco-Gürtel beläuft sich auf 28 Milliarden US-Dollar, laut einem Bericht der Schweizer Investitionsbank USB. Davon haben ausländische Firmen bisher 16,8 Milliarden US-Dollar beigesteuert, PDVSA ist 11,2 Milliarden beteiligt. Um den Streit mit ExxonMobil zu beenden, hat das venezolanische Öl-Ministerium vorgeschlagen, dem US-Multi den PDVSA-Anteil an der gemeinsam betriebenen Raffinerie in Chalmette (USA) zu überschreiben.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

13.02.2008 Nachricht von Ingo Niebel