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05.01.2008 Kolumbien / Politik

Verwirrspiel um Friedensinitiative

Militärpolitik gegen Diplomatie: Kolumbiens Regierung verhindert weiterhin Austausch von Gefangenen mit Guerilla
Verwirrspiel um Friedensinitiative

Clara Rojas (links) mit der Ex-Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt (rechts im Bild). Beide befinden sich in der Hand der FARC.

Bogotá/Caracas. Das Tauziehen um die Freilassung von Gefangenen der Guerillaorganisation Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) nimmt immer absurdere Züge an. Seit mehreren Monaten setzt sich die venezolanische Staatsführung dafür ein, dass die Häftlinge der Aufständischen auf freien Fuß gesetzt werden. Kolumbiens Staatsführung favorisiert weiterhin eine militärische Lösung.

So war Anfang dieser Woche die jüngste humanitäre Initiative gescheitert. Im Rahmen der "Operación Emmanuel" sollten Consuelo González, Clara Rojas sowie deren dreieinhalbjähriger und in Gefangenschaft geborener Sohn Emmanuel einer internationalen Vermittlerkommission unter Führung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez übergeben werden. Doch nach Angaben der FARC-Guerilla wurde die Operation - entgegen anders lautender Zusagen der Staatsführung in Bogotá - von Militäroffensiven verhindert. Als Chávez diese Anschuldigungen im venezolanischen Fernsehen wiedergab, musste er sich harsche Angriffe von kolumbianischer Seite gefallen lassen. Der "Hochkommissar für den Frieden" Luis Carlos Restrepo warf dem Staatschef vor, mit den "Terroristen" zu sympathisieren. Noch am gleichen Tag aber brachte Restrepo dann die kolumbianische Armee selbst in Erklärungsnot. Sie veröffentlichte auf ihrer Seite eine Meldung, nach der Truppen der 18. Brigade der kolumbianischen Armee in "intensive Kampfhandlungen" mit Guerillaeinheiten verstrickt gewesen seien - und zwar in dem Gebiet, in dem die Übergabe der zwei Frauen und des Kleinkindes stattfinden sollte.

Es ist das zweite Mal, dass die kolumbianische Staatsführung offenbar vorsätzlich eine Initiative Venezuelas für einen humanitären Austausch der Gefangenen von Regierung und Guerilla behindert. Erst im November hatte Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe seinem Amtskollegen aus Caracas das Verhandlungsmandat entzogen. Zur Begründung hieß es auch damals, Chávez vertrete Positionen, die der Guerilla zu nahe ständen.

Das Tauziehen um eine humanitäre Lösung der Gefangenenkrise ist Ausdruck einen tiefen gehenden Konfliktes zwischen beiden Staaten. Während die rechtsgerichtete Uribe-Regierung auf Druck der USA auf eine militärische Strategie gegen die Guerilla setzt, plädiert Chávez für einen diplomatischen Weg. Venezuelas Regierung weist darauf hin, dass der Jahrzehnte währende Konflikt in Kolumbien vor allem soziale Ursachen hat. Diese müssten zunächst gelöst werden.

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02.01.2008 Nachricht von Harald Neuber