Venezuela / Wirtschaft

Nach Zement kommt das Gold an die Reihe

Venezolanische Regierung will Goldmine verstaatlichen

Caracas. Unter dem Druck der globalen Finanzkrise will Venezuela die größte Goldmine des Landes verstaatlichen, meldet der Internet-Dienst PR-Inside. Der venezolanische Bergbauminister Rodolfo Sanz kündigte am Mittwoch in einer Radiosendung an, dass die Mine Las Cristinas ab 2009 unter staatlicher Aufsicht geführt wurde. So könnten die Devisenreserven erhöht werden. Betreiber von Las Cristinas ist das kanadische Unternehmen Crystallex International. Laut PR-Inside, teilte die Firma mit, sie habe keine Informationen über irgendwelche Änderungen erhalten.

Die Übernahme der Goldmine im südöstlichen Bundesstaat Bolívar entspricht der Bolivarianischen Verfassung von 2000, wonach alle Bodenschätze Eigentum des venezolanischen Volkes sind. Für deren Ausbeutung kann der Staat Konzessionen an Dritte vergeben. Folglich besitzt er auch das Recht, diese nicht zu verlängern oder wieder einzuziehen. Es ist nicht das erste Mal, das die Regierung von Präsident Hugo Chávez von diesem Recht Gebrauch macht. Zuletzt geschah das im Fall der Zementindustrie, die von einem mexikanischen Unternehmen betrieben wurde. Grund für die Maßnahme war, daß die Mexikaner behaupteten, sie könnten nicht genügend Zement für die sozialen Wohnungsbauprogramme der bolivarianischen Regierung liefern. Die Verstaatlichungspolitik verläuft in der Regel so, dass der venezolanische Staat die Aktienmehrheit in dem besagten Unternehmen übernimmt. Die Eigentümer haben die Wahl, ihm die Firma komplett zu verkaufen oder nur den notwendigen Aktienanteil, um dann in Form eines Joint Ventures weiter an der Ausbeutung der Bodenschätze profitieren zu können.

Die Verstaatlichung der Goldmine geschieht vor dem Hintergrund der Entwicklung am Markt für diese Edelmetall. Der Goldpreis war im Vorfeld der Finanzkrise stark angestiegen - von 860 US-Dollar für die Feinunze im Mai auf 940 US-Dollar im Oktober. Der Höhenflug endete aber abrupt vor einigen Tagen, als der Preis um 260 US-Dollar fiel. Branchenkreisen rechnen damit, daß sich der Wert des Goldes in Kürze wieder der 1000-Dollar-Marke nähern wird. Das Edelmetall dient neben seiner industriellen Verwendung vorwiegend als sichere Geldanlage in Krisenzeiten, wenn die Aktienkurse sinken, und als Spekulationsobjekt. Neben dem Ölgeschäft kann sich der venezolanische Staat hier eine weitere üppige Einnahmequelle sichern, die helfen wird, den sozialistischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft im Sinne des revolutionären Prozesses voranzubringen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr