Brasilien / Umwelt

Streit um Wasserkraftwerk in Brasilien

Vorläufige Umweltgenehmigung für Industrieunternehmen Belo Monte erteilt. Folgen für Bewohner der Region und Umwelt befürchtet

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Streit um Wasserkraftwerk in Brasilien
Protest von indigenen Bewohnern der Region gegen den Staudamm

Brasilia. Die brasilianische Bundesumweltbehörde IBAMA hat am Montag die vorläufige Umweltlizenz für das umstrittene Kraftwerk Belo Monte am Fluss Xingu erteilt. Dieser Schritt erfolgte nur knapp vor einer Ausgabensperre für solche Lizenzen, die bis zu den Präsidentschaftswahlen im Oktober nicht mehr ausgegeben werden dürfen. Damit kann bereits im April mit der Ausschreibung für die Baufirmen begonnen werden. Das Projekt mit einer Kapazität von über elf Gigawatt soll vor allem Strom für die exportorientierte Aluminiumindustrie liefern, sowie die Großstädte im Süden des Landes versorgen. Nach dem Werk am Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem Itaipú-Werk in Brasilien und Paraguay würde mit Belo Monte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt errichtet.

Unlängst hatte ein 20-köpfiges Expertenteam brasilianischer Universitäten ein Gutachten erstellt, das auf die immensen ökologischen und wirtschaftlichen Kosten des Bauvorhabens hinweist. Diese Kosten stünden nicht im Verhältnis zu dem wirtschaftlichen Nutzen, so das Fazit.

Gegen das Projekt gibt es seit über 20 Jahren erbitterten Widerstand, vor allem seitens der Kayapó und anderer indigener Völker sowie durch Flussanwohner und soziale Bewegungen. Der Xingu verläuft in einer der Regionen mit der höchsten Biodiversität Brasiliens. Unweit der Stelle, wo der Xingu und die transamazonische Bundesstraße sich treffen, wurden Schutzzonen erkämpft, die auf insgesamt acht Millionen Hektar erstrecken. Acht indigene Schutzgebiete und fünf Sammelgebiete versuchen den Lebensstil indigener Völker und anderer traditioneller Gemeinschaften zu erhalten.

Diese Gebiete sind wiederum Teil eines Schutzkorridors von 28 Millionen Hektar. In diesen Waldschutz investierten schon in den 1980er Jahren die G-7-Staaten. Deutschland allein hat bisher 300 Millionen Euro in das Waldschutz-Pilotprogramm PPG7 eingebracht.

"Es ist ungeklärt, was mit den von Belo Monte vertriebenen Menschen geschehen soll und wie die besonders waldreiche Region den wahrscheinlichen Zuzug von bis zu 300.000 Menschen verkraften soll", sagte Marcelo Salazar vom Umweltinstitut Instituto Socioambiental (ISA) im Gespräch mit amerika21.

Bereits im Dezember hatte es in der Umweltbehörde IBAMA Streit über die Lizenz für Belo Monte gegeben. Zwei führende Mitarbeiter, die sich der Vergabe der Umwelt- und Baulizenzen für Belo Monte verweigert hatten, mussten nach Presseberichten ihre Posten auf Druck der Regierung aufgeben.

Weitere Informationen zu dem Fall finden Sie hier.


Bildquelle: Fundação Viver, Produzir e Preservar-FVPP

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