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Starke Repression bei Mobilisierung der Indigenen in Kolumbien

Einhaltung von Vereinbarungen durch die Regierung Santos gefordert. Schusswaffeneinsatz gegen Protestierende. Indigene Schutztruppe nimmt 17 Polizisten fest
Die Indigene forderten die Regierung von Kolumbien auf, getroffene Vereinbarungen umzusetzen

Die Indigene forderten die Regierung von Kolumbien auf, getroffene Vereinbarungen umzusetzen

Bogotá. Die Sicherheitskräfte in Kolumbien haben eine landesweite einwöchige Mobilisierung von 100.000 Indigenen mit unkonventionellen und tödlichen Waffen massiv attackiert und dabei mindestens 40 Verletzte hinterlassen. Dies berichtet die nationale Organisation der Indigenen (Onic). Die Aktivisten hatten ab dem 30. Oktober wichtige Landstraßen blockiert. Dabei forderten sie von der Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos, nie umgesetzte Vereinbarungen einzuhalten. Inhalt der Abmachungen ist unter anderem die Selbstbestimmung innerhalb der indigenen Schutzzonen, der Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem sowie Sicherheitsgarantien wegen der zunehmenden Morde an indigenen Anführern.

Bevor am Sonntag der Innenminister der Forderung nachkam, wieder einen runden Tisch mit den indigenen Organisationen zu eröffnen, hatte die Regierung die Sondereinheit zur Aufstandsbekämpfung (Esmad) und die Streitkräfte gegen die Proteste eingesetzt. Die Esmad habe unkonventionelle Waffen wie wiederaufgefüllte Gas- und Paint Ball Patronen verwendet. Auch in der Vergangenheit hat diese Polizei-Sondereinheit mit Schießpulver, Glasmurmeln und anderen Materialien gefüllte Patronen auf Demonstranten geschossen, deren Splitter schwere Verletzungen verursachen.

Die Sicherheitskräfte hätten die Proteste wie einen Krieg behandelt, klagt die Onic. Sogar mit Schusswaffen sollen sie die Protestierenden angegriffen haben. Im Departamento Risaralda haben die Demonstranten verlangt, dass die Polizei das Gebiet der Protestaktionen räumt. Da sie dem nicht nachkam, hat eine indigene Schutzgruppe 17 Polizisten festgenommen und entwaffnet. Später haben sie die Beamten freigelassen und vor dem Ombudsmann deren Langwaffen zurückgegeben.

Besorgniserregend fanden die indigenen Gemeinden im Departamento Cauca ein Pamphlet, das am Samstag zirkulierte und dazu aufrief, gegen die "unverschämten Blockaden" der regionalen indigenen Organisation Cric "mit Steinen, Stangen, Schlägern und sogar Schusswaffen" zu agieren, um Popayán, die Hauptstadt  Caucas, "zurückzugewinnen". Die Urheber des Schriftstücks drohten, dass sie "die Cric-Einrichtungen und -Kraftfahrzeuge plündern, zerstören und zu Asche machen" würden, sollten die Indigenen bis zum 7. November die Blockaden nicht auflösen.

Zum Forderungspaket der Protestierenden gehört, dass die indigenen Gemeinden die Funktion der Umweltbehörde in ihren Schutzgebieten übernehmen. Das entsprechende Dekret hatte das Umweltministerium im März fertig vorbereitet, aber multinationale Unternehmen sollen den Erlass gestoppt haben, informiert La Silla Vacía. Interessen von Bergbaufirmen wie Anglo American in Putumayo oder Anglogoldashanti in Cauca könnten von solch einer Veränderung betroffen sein.

Alte regionale Forderungen haben mit der Zuteilung von Ländereien für Indigene im Cauca zu tun. Vor zwei Jahrzehnten haben ihnen die damaligen Regierungen Grundstücke als Entschädigung für ein Massaker zugesagt, an dem die Polizei beteiligt war. Doch obwohl die betroffenen Gemeinden immer weniger Land zum Anbau haben und eigene Ländereien an die Agroindustrie verloren haben, haben sie das Land nicht vollständig zugeteilt bekommen.

Nachdem der Innenminister sich am Sonntag zu neuen Gesprächen über die Forderungen der Indigenen ab dieser Woche verpflichtet hat, haben die Protestierenden in Cauca die Blockaden an der Panamericana-Schnellstraße aufgehoben. Sie warnten allerdings, die Straße wieder zu blockieren, sollten die Gespräche mit der Regierung diese Woche keine konkreten Fortschritte ergeben.

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