2.000 Aktivisten bei "Gipfel der Völker" in Chile

Treffen sozialer Bewegungen aus Europa, Lateinamerika und der Karibik tagt parallel zu Konferenz der EU und CELAC

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Infostände auf dem "Cumbre de los Pueblos"
Informationsstände beim Cumbre de los Pueblos 2013

Santiago de Chile. Das erste Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC) wurde von einem Alternativgipfel begleitet,

zu dem mehr als 400 Organisationen und soziale Bewegungen aufgerufen hatten. Über 2.000 Teilnehmer fanden sich von Freitag bis Sonntag in der Architektur-Fakultät der Universität von Chile zum "Cumbre de los Pueblos" ein, dem "Gipfel der Völker".

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Cumbre de los Pueblos - Ende
Bolivianische Aktivistinnen erklären das Fernbleiben von Evo Morales

Eröffnet worden war das Basistreffen am Freitag mit Diskussionsrunden, Filmvorführungen und Vernetzungstreffen zu speziellen sozialen Kämpfen. Am Abend desselben Tages zogen rund 2.000 Menschen in einem Protestzug für "Soziale Gerechtigkeit, internationale Solidarität und die Souveränität der Völker" zum Plaza de Armas im historischen Zentrum der chilenischen Hauptstadt. Bei der Abschlusskundgebung warnte die Präsidentin des Gewerkschaftsdachverbandes CUT, Bárbara Figueroa, Europa davor, Lateinamerika und seine Bodenschätze vor dem Hintergrund der europäischen Krise allein als Ressource zu betrachten, mit deren Hilfe die Wirtschaft des alten Kontinents gerettet werden könne.

Am Samstag wurde dann weiter zu den vier thematischen Schwerpunkten gearbeitet, die sich der Gipfel im Vorfeld gegeben hatte:

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Cumbre de los Pueblos - Radio
Live-Radiosendung vom Cumbre de los Pueblos

1. Demokratie, Partizipation und Souveränität des Völker gegenüber der Macht der Konzerne;

2. Menschen- und Arbeitsrechte in Zeiten der Privatisierung der Gemeingüter;

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Cumbre de los Pueblos - Eingang Auditorium
Eingang zum Auditorium der Architektur-Fakultät

3. Buen Vivir und die Rechte der Mutter Erde, gegen die Merkantilisierung der Natur und des Lebens;

4. Integration und Solidarität der Völker gegen die soziale Ungerechtigkeit.

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Cumbre de los Pueblos - Keine Angst
"Keine Angst vor Imperialisten" - Transparent auf den Gipfel der Völker

Ein weiteres Thema war die unabhängige Berichterstattung über soziale Bewegungen. Insbesondere indigenen Gruppen werde der Zugang zur Kommunikation erschwert, hieß es, ein Beispiel dafür seien die Mapuche in Chile. Stellvertretend für die mediale Verzerrung sei auch die Berichterstattung rund um die Operation des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez.

Alternative Diskurse von unabhängigen Journalisten fänden in den etablierten Medien hingegen kaum Platz. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Möglichkeiten der neuen Medien thematisiert und auf eine Analogie aus der Kolonialgeschichte Chiles verwiesen. So wie die Mapuche nach der Ankunft der Spanier lernten, das von den Kolonialherren eingeführte Pferd im Kampf gegen die Unterdrücker zu nutzen, sollten die sozialen Bewegungen sich nun der neuen Medien bedienen, um die Medienhegemonie zu durchbrechen.

Während des Gipfels der Völker wurde zudem der Dritte Menschenrechtsbericht für Chile präsentiert. In dem Dokument beklagen die regierungsunabhängigen Autoren die mangelnde Anerkennung der durch internationale Abkommen garantierten individuellen und kollektiven Menschenrechte.

Zum Auftakt des letzten Tages wurden die Berichte der Arbeitsgruppen zu den thematischen Schwerpunkten vorgestellt. Zum Abschluss der Veranstaltung erwarteten die meisten Teilnehmer sowie zahlreiche Journalisten den Auftritt des bolivianischen Präsidenten Evo Morales. Um die lange Wartezeit zu überbrücken, wurde CUT-Präsidentin Figueroa auf die Bühne gebeten. Nachdem nach fast dreistündigem Warten bekannt gegeben wurde, dass Evo Morales nicht mehr erscheinen wird, entschuldigten sich bolivianische Aktivisten für das Fernbleiben ihres Präsidenten.  Sie schlossen den Gipfel mit der Forderung nach einem Meereszugang für ihr Land. Bolivien hatte diesen im Salpeterkrieg Endes des 19. Jahrhunderts an Chile verloren und wurde dadurch zu einem Binnenland. Die Forderung, nun wieder eine Passage zum Ozean zu öffnen, wurde auf dem offiziellen Gipfel auch von Evo Morales an den Gastgeber gerichtet.

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