Weitere Gefängnisstrafe für Ex-Diktator

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Der heute 85-jährige Reinaldo Bignone
Der heute 85-jährige Reinaldo Bignone

Buenos Aires. Das Bundesgericht in San Martín hat am Dienstag den letzten argentinischen Diktator, Reinaldo Bignone, wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen zu lebenslanger Haft verurteilt. In der Zeit der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 soll Bignone für die Verschleppung, Folterung und das "Verschwindenlassen" von mindestens 23 Menschen verantwortlich gewesen sein. Dabei war das Geheimgefängnis Campo de Mayo der Hauptschauplatz der Gräueltaten. Dort mussten unter anderem sieben schwangere Frauen im Geheimen ihre Kinder gebären, die dann zur Adoption freigegeben wurden. Die Frauen verschwanden, wurden vermutlich ermordet.

Neben dem Ex-General wurden vier führende Ex-Militärs wegen Komplizenschaft ebenfalls zu lebenslänglich sowie mehrere ehemalige Soldaten, die bei den Taten geholfen haben sollen, zu hohen Haftstrafen verurteilt. Auch ein ehemaliger Geheimdienst-Offizier und seine Frau, die eines der zur Adoption stehenden Kinder zu sich genommen haben, müssen ins Gefängnis. Die Urteile wurden von den Angehörigen der "Verschwundenen" und den anwesenden Menschenrechtsaktivisten mit Jubel und Applaus aufgenommen.

Reinaldo Bignogne war bereits 2010 und 2011 in Prozessen wegen Verbrechen in anderen Geheimgefängnissen und dem systematischen Raub von Babys zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Campo de Mayo war zur Zeit der Militärdiktatur eines der größten Geheimgefängnisse des Landes. Angegliedert war eine Entbindungsstation für entführte Frauen. Bignone, der von 1982-1983 der letzte Diktator Argentiniens war, verfügte in seiner Amtszeit die Vernichtung aller Dokumente, die über die Entführungen, Verhaftungen, Folterungen und Morde an den "Verschwundenen" angelegt worden waren.

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