Uruguay tritt Regionalwährung bei

Uruguay wird mit der Buchwährung Sucre handeln. Annäherung an ALBA-Länder. Venezuela übernimmt Präsidentschaft des Mercosur

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Uruguays Außenminister Luis Almagro
Uruguays Außenminister Luis Almagro unterzeichnet das Dokument des Anschlusses seines Landes an den Sucre

Montevideo. Uruguays Außenminister Luis Almagro hat eine Erklärung unterzeichnet nach welcher sich sein Land zukünftig am Handel mit dem "Einheitlichen System des regionalen Ausgleichs" (Sucre) beteiligt. Die Buchwährung wurde 2008 als Reaktion auf die Wirtschafts- und Finanzkrise beschlossen um sich unabhängiger vom US-Dollar zu machen und wird seit 2010 durch die Mitgliedstaaten der Bolivarischen Allianz für Amerika (ALBA) genutzt. Seitdem ist das Handelsvolumen kontinuierlich gestiegen. Der Vizepräsident der Venezolanischen Zentralbank (BCV), Eduard Tovar, hatte bereits Anfang des Jahres mitgeteilt, dass er für 2013 einen Umsatz von umgerechnet 1,7 Milliarden US-Dollar erwartet. Mit dem Beitritt Uruguays wird sich diese Zahl voraussichtlich noch um 30 Prozent erhöhen.

Bisher hat Uruguay in der Regionalorganisation ALBA lediglich Beobachterstatus. Almagro sieht jedoch in der Nutzung der gemeinsamen Währung ein Beispiel dafür, wie ein größerer Handelsaustausch in Lateinamerika und der Karibik realisiert werden kann. Uruguay ist seit 1991 bereits Mitglied des Gemeinsamen Markts des Südens (Mercosur).

Im Juni dieses Jahres wird zum ersten Mal Venezuela die temporäre Präsidentschaft des Mercosur übernehmen, nachdem sein Anwärterstatus im Juli 2012 in eine Vollmitgliedschaft umgewandelt wurde. Seit 2006 hatte Venezuela versucht dem südamerikanischen Bündnis beizutreten, welchem außerdem Argentinien, Paraguay und Brasilien angehörten. Gescheitert war dies bisher an der Weigerung des Parlaments von Paraguay, den Beitritt Venezuelas zu ratifizieren. Nach der Absetzung des paraguayischen Präsidenten Fernando Lugo wurde dessen Mitgliedschaft jedoch bis zu den nächsten Wahlen im April 2013, ausgesetzt. Direkt nach dem Ausschluss Paraguays wurde die Vollmitgliedschaft Venezuelas beschlossen.

Seitdem sich das Verhältnis zwischen Venezuela und Brasilien unter Hugo Chávez und Luiz Inácio "Lula" da Silva wesentlich verbessert hatte, setzte sich vor allem Brasilien für die Mitgliedschaft Venezuelas ein. Dieses stellt Aufgrund seiner großen Rohstoffvorkommen und hohen Importen einen interessanten Handelspartner dar.

Hugo Chávez war im vergangenen Jahr trotz seiner Krebserkrankung nach Brasilien geflogen, um die Mitgliedschaft Venezuelas zu bestätigen. Er betrachtete den Beitritt Venezuelas als Erfolg im Bestreben, den Einfluss der USA in Südamerika zurückzudrängen. Seinen Angaben zufolge verbarg sich hinter dem Veto Paraguays stets die US-amerikanische Regierung.

Unterdessen gab Paraguays De-facto-Präsident Federico Franco bekannt, die Vollmitgliedschaft Venezuelas nicht anzuerkennen und demnach auch nicht deren temporäre Präsidentschaft. Er wirft der venezolanischen Regierung "antidemokratisches Verhalten" vor und bezieht sich in seiner Ablehnung der venezolanischen Mitgliedschaft auf die sogenannte Demokratie-Klausel des Bündnisses. Gleichzeitig kritisierte Paraguays Außenminister José Félix Fernández Estigarribia, dass die Aufnahme Venezuelas während der Abwesenheit Paraguays vollzogen wurde. Er gab an, dass nach den Wahlen im nächsten Monat die "Karten hinsichtlich der Vollmitgliedschaft von Venezuela neu gemischt werden".

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