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Mexiko: Rückgang der Gewalt im Drogenkrieg?

Regierung verkündet einen Rückgang der Zahl der Toten im sogenannten Drogenkrieg um 17 Prozent. Beobachter zweifeln an dieser Darstellung

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Militäreinsatz in Michoacán
Militäreinsatz in Michoacán gegen Drogenkartelle

Mexiko-Stadt. Nach offiziellen Angaben ist die Zahl der im Zusammenhang mit dem sogenannten Drogenkrieg getöteten Menschen um 17 Prozent gesunken.

Waren zwischen August bis November vergangenen Jahres 5.127 Todesopfer zu beklagen, sollen es seit der Amtseinführung des neuen Präsidenten Enrique Peña Nieto (PRI) nur noch 4.249 gewesen sein. Dies würde einen Rückgang um 918 in einem Zeitraum von vier Monaten bedeuten. Ebenfalls rückläufig war die Anzahl der registrieren Entführungen. Diese gingen nach offiziellen Angaben von 733 auf 551 Fälle zurück.

Inwiefern diese Zahlen der Realität entsprechen, ist allerdings zweifelhaft. So waren Opferzahlen im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen bereits in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Kontroversen. Beobachter kritisieren die zum Teil subjektiven Kriterien, nach denen Verbrechen der organisierten Kriminalität zugeschrieben werden. Unter Verweis auf methodologische Unschärfen verzichtete die Vorgängerregierung seit August 2012 auf das Weiterführen dieser Statistik.

Dass die jetzige Führung des Landes wieder auf diese Praxis zurückgreift, führen Beobachter zumindest zum Teil auf politische Gründe zurück. So wurde seit dem Beginn der Amtszeit des neuen Präsidenten versucht, ein weniger blutiges Bild von Mexiko zu verbreiten. Aufgrund der unübersehbaren Gewalt fällt es heute jedoch selbst regierungsfreundlichen Medien zunehmend schwer, diese zu verheimlichen.

Irritierend bei der aktuellen Darstellung ist darüber hinaus, dass der offizielle Bericht über das organisierte Verbrechen zwölf Jahre unter Verschluss gehalten werden soll. Gerechtfertigt wird diese Geheimniskrämerei unter Berufung auf die nationale Sicherheit. Eine andere Erklärung könnte jedoch auch sein, dass man von offizieller Seite ein Bekanntwerden peinlicher Wahrheiten wie in der Vergangenheit vermeiden möchte.

So wurde aufgrund öffentlichen Drucks die Regierung im Februar gezwungen, die Zahlen hinsichtlich der als "verschwunden" gemeldeten Personen bekannt zugeben. Demnach sind in den letzten sechs Jahren nicht nur mehr als 60.000 Menschen im Zuge des sogenannten Drogenkrieges ums Leben gekommen. Vielmehr sind darüber hinaus mehr als 26.000 Fälle von Personen zu verzeichnen, von denen man nicht weiß, wo sie sich aufhalten oder ob sie überhaupt noch am Leben sind. Für die Regierung ist insbesondere die Tatsache brisant, dass laut Berichten von Human Rights Watch, zahlreiche Fälle bekannt sind, bei denen Spezialeinheiten der Armee systematisch am gewaltsamen Verschwinden von Personen beteiligt waren.

Entsprechend vorsichtig sollten daher die Erfolgsmeldungen der mexikanischen Regierung beurteilt werden. Es macht den Anschein, dass aus Mangel an effektiven Strategien zur Eindämmung der Gewalt zumindest der Schein einer Verbesserung der Zustände gewahrt werden soll.

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