Venezuela / Medien

Venezuela: Kein Neuanfang bei Globovisión

Caracas. Nach dem Eigentümerwechsel beim größten venezolanischen Nachrichtenkanal Globovisión wird es keine Änderungen an der redaktionellen Linie des Unternehmens geben. Dies bekräftigte in dieser Woche der neue Präsident des Senders, Juan Domingo Cordero, gegenüber den Mitarbeitern des Kanals. In den vergangenen Wochen war darüber spekuliert worden, dass mit Vladimir Villegas möglicherweise ein linker Journalist zum Chefredakteur berufen wird. Villegas hatte früher den staatlichen Kanal VTV geleitet und ist der Bruder des amtierenden Ministers für Kommunikation und Information.

Auch der Gründer des Senders, Guillermo Zuloaga, hatte zunächst andere Erwartungen geschürt. "Wir stehen in einem völlig polarisierten Land einer allmächtigen Regierung gegenüber, die uns scheitern lassen will", behauptete der ehemalige Direktor des Kanals. Er befürchte, dass der Sender sich in Zukunft stark verändern werde. Gegen solche Ankündigungen spricht allerdings die Tatsache, dass die neuen Besitzer und auch die redaktionelle Leitung vornehmlich aus der Familie der bisherigen Betreiber stammt. Der neue Vizedirektor ist Carlos Zuloaga, der Sohn von Guillermo Zuloaga, und auch der nun größte Teilhaber des Unternehmens, Juan Domingo Cordero, ist ein Verwandter von Zuloagas Ehefrau.

Globovisión steht seit Jahren wegen seiner äußerst parteiischen und unsachlichen Berichterstattung in der Kritik. Während des zehntägigen Wahlkampfes im April hatte der Sender fast ausschließlich redaktionelle Beiträge und Werbung für den Kandidaten der Opposition ausgestrahlt. Insgesamt war Henrique Capriles zehn Stunden und eine Minute auf Globovisión zu sehen, während Nicolás Maduro nur 59 Minuten im Programm auftauchte. Ähnlich sah das Missverhältnis bei den anderen großen privaten Sendern aus, kritisierte der Leiter von Maduros Wahlkampfteam, Jorge Rodríguez.

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